Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1886)
- Date
- 1886-06-01
- Page
- Seite 141 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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■sp» — 141 — Satzungen mehr zu bedeuten habe als die gedankenlose Uebung derselben. So sagt der Vers, auch weiter S. 305: Wenn d», mein Zuhörer diese heilige Pflicht des Aufsuchens des Chamez ausführeu willst, laufe nicht unüberlegt hinzu, sondern schreite dazu mit dem Gedanken: „Ach, gewiß meint Gott nicht diese Brosamen!" Der Vers. hat die Notwendigkeit einer Dnrchgeistiguug des Cermonienwesens erkannt, bei der freilich auch das Bedürfnis einer Reform desselben nicht ansbleiben kann. Solche Anregungen verdienen, besonders wenn sie von solcher Seite kommen, auch heute noch aufmerksame Beachtung. — Aus Mailand schreibt man uns: „Unter den im Besitz der Antiquariatsbuchhandlung von IC. Hoepli Hierselbst befindlichen Manuscripten ist auch ein hebräisches, das einen fast unschätzbare» Wert hat. Dasselbe enthält: Mosä ben Mainion, .ladachazackh und scheint das gleiche zu sein, das s. Z. der berühmte Philosoph und spanische Finanzminister Jsak Abarbanel für 30000 Dukaten als aus Maimon's Besitz stammend, gekauft hat (laut Koroth ha jthin pag. 125*). Auf der letzten Seite findet sich nämlich folgendes (hebr.) geschrieben: „Hier in Venezia schreibe ich niit zerbrochenem Herzen zur Erinnerung an die gesegneten Tage. Jsak Abarbanel, der kleinste unter deil Menschen. Gott helfe. Amen!" Das Buch scheint dann bei den Wanderungen der Familie verloren gegangen zu sein und wurde erst im Jahre 1548 von den Enkeln Abarbanels für 300 Dukaten Gold zurückgekauft. Dieses allein bildet aber nicht den Wert des Codex. Der Text bietet so viele Abweichungen von dem Gedruckten, spec. dem der Ausgabe von 1702, daß die meisten Kommentare dadurch hinfällig werden, selbst Josef Karo's Schulchan Aruch muß für unrichtig erklärt werden. Um nur eine kleine Probe zu geben wie viel Abweichungen der gedruckte Text von dem des vorliegenden Manuscriples hat, geben wir auf der Anlage die beiden Lesarten der ersten Seite- Auch in historischer Beziehung ist das Manuscript äußerst kostbar, da sich darin Daten über das Christentum finde», die weder in christlichen noch selbst jüdischen Ge^ schichtswerken enthalten sind. Der Fanatismus des 14. und 15. Jahrhunderts hat zwar auch unserem Manuscripte geschadet, jedoch nur wenig. Im Anfang und am Ende sind einige, glücklicherweise unbedeutende, Stellen gegen das Christentum ausradiert, die m e i st e n, wichtigste n und ch a r a k t e r i st i s ch st e n Stellen für die Kenntnis der Denkungsweise des damaligen Rabbiiiertnms über das Christentum und seinen Stifter sind jedoch stehen geblieben. Der Kenner wird aus dieser kleinen Notiz leicht ersehen, von welcher hohen Bedeutung dieses kostbare Manuscript für die Wissenschaft ist." Wir haben dem hinznzufügen, daß sich manche Manuscripte von Maimnni's Werke in Bibliothekeu befinden, die mit dem eigenhändigen Bisa desselben versehe» sind, das er den ihm zum Zwecke der Vergleichung mit seinem Manuscripte zugesandten Abschriften anfügte. (Vgl. Edelmann, Giuse Oxford, Vorrede, S. 21, dem die Bemerkung Schern Tob Ibn Gaons zu Maimuni Hilch. Ischut Kap. 7, §. 17 entgangen ist.) Wenn das in Mailand befindliche Manuscript seiner Beschreibung entspricht, dann sollte die königliche Bibliothek in Berlin die Erlangung desselben anstreben. — Herr A H. Iupnilr, Redakteur der Nrohobi>c>er Zeitung, versendet das erste Heft seiner hebräischen Monatsschrift „Zion". Freunde der hebräischen Sprache und Litteratnr seien auf dieses sehr anerkennenswerte Unternehmen ganz besonders auf- »lersam gemacht. — Es ist uns zugegangen: „Ein Wort zur. 100. Jahreswende, *) Uns ist nur ein Werk dieses Namens von dem Chronisten Abraham Trebitsch aus Nicolsburg bekannt. D. Red.