Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1886)
- Date
- 1886-06-01
- Page
- Seite 138 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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138 fättani) in Ungarn hielt bei der Beerdigung des Herrn Peter Löwensohn am 7. April in der dortigen Synagoge neben dein Rabbiner Herr Ztrinhrr; auch ein res. Pfarrer, Herr v. Sjafjij, eine Trauerrede. — In Ztrq wurde bei dem entsetzlichen Brandunglück auch die Synagoge eingeäschert. Die Not daselbst war groß. Auch in anderen Städten Galiziens und Mährens sind verheerende Brände ausgebrochen, bei denen leider Menschen ums Leben kamen. — Am 25. März fand in Wie» eine Bauernversammlung, über 1800 Köpfe stark, statt, welche in Zukunft eine eigene politische Bauernpartei in Oestereich gründen will. Dieser Verein will aus seiner Mitte allen Nationalitätenhader fern halten. In seiner Resolution heißt es unter anderm: „Wir verdammen die Bestrebungen der antisemitischen Hetzstartei, die nur auf einein Lügensystem beruht und das Volk zu verbrecherischen Ausschreitungen mißbrauchen will!" — In den Sommerfrischen in der Nähe Wiens macht der dort herrschende Antisemitismus es den Juden zur Ehrenpflicht, dieselben nicht aufzusuchen. So hingen z. B. in Baden Zettel aus: „Diese Villa ist zu vermiethe». Für Christen kostet sie 600, für Juden 1000 fl." Ist ja sogar in Wien an einem Hause in der Leopoldstadt eine Tafel mit der Aufschrift „Juden ist der Eintritt verboten" angebracht. Auch in Annoncen der Nrw-Porker Staatszeitung findet sich bei Angeboten von Wohnungen manchmal die Bemerkung: „Keine Juden". Bei Berathung des Kapitels 9, Titel 20 des Budgets für Kultus und Unterricht: „Bestreitung der Auslagen für die Abhaltung des VII. internationalen Oricntalistcncougresses in Wien" nahm Abgeordneter Dr. Bloch das Wort und sagte unter anderem: Aber das Bedenken hilft Ihnen nichts, da das Christentum selbst sowie die geistige Eroberung der heidnischen Arier für dasselbe durch getaufte Juden, durch semitische Apostel und Märtyrer bewerkstelligt wurde. So bleibt Ihnen, meine Herren, nichts anders übrig, um der Verjudung zu entgehen, als zu den alten unzüchtigen Heidengöttern der germanischen Völker zurückzukehren. -Mit aller Gewalt, mit aller List, ja mit allein Hasse wird es nicht gelingen, auch nur aus der deutschen Sprache und Litteratur den semitischen Geist, der schon durch die lutherische Bibelübersetzung an der Schöpfung her Sprache mitgearbeitet hat, auszuschciden. Sie können und Sie vermögen, wenn Sie die Gewalt gewinnen, einzelne Juden unterdrücken. Sie können sie quälen, aber die Verjudung werden Sie nicht los. Sie gleichen in diesem Kampfe gegen die Verjudung jenem kuriosem Kauz, welcher in einem Bassin schwimmt und fortwährend die Wellen mit seinen Armen abwehrt, damit er nicht naß werde. — Herr Eduard Drumoüt. der Redakteur des klerikalen Blattes „Le Monde“ in Paris, hat ein über 1000 Druckseiten enthaltendes Buch „La France juive“ veröffentlicht, in welchem Juden und Judentum auf's heftigste angegriffen werden unter Zugrundelegung her Obrouiguc scandaieuae der letzten Jahre. Dadurch, daß in diesem Pamphlete die Orleans als verjudet bezeichnet werden, hat die Brochüre viel von sich reden gemacht. In diesem Werke, das bereits in Tausenden von Exemplaren verkauft ist, U'ird die abgebrauchte Idee vom Kampfe zwischen Ariern und Semiten vorgeführt. Einige Auszüge werden genügen, um! uns zu zeigen, wohin in Frankreich der Antisemitismiks unter der Flagge des Katholicisinus geraten ist: „Der Semite ist ein Händler, er ist habsüchtig, intriguant, verschlagen und gewissenlos, der Arier hingegen ist ein Enthusiast, er ifl heldenmütig, chevaleresk, uneigenützig, offen und vertrauensselig bis zur Naivität. Der Semite ist ein Erdensohu, für den nur das Zeitliche Wert besitzt; der Arier hingegen ist ein Kind des Himuiels, stets bereit unerreichbaren Idealen uachzujagen. Der Semit ist Kaufmann aus Naturtrieb, er hat den Beruf des „Schachers",