Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1886)
- Date
- 1886-06-01
- Page
- Seite 136 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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136 ‘JfMSl-W'f'' wie Herr Schill auffaßten, würden wir bald zu einem gemeinsamen Ruhetag gelangen. — Das bisher dem Konditor Peters gehörige, unter dem Namen Hamlethaus bekannte Gedäude in Wittenberg ist von Herrn Kaufmann Hirschfeld für den Preis von 45000 Mk. erworben worden. Der Käufer ist seit 500 Jahren der erste Jude, der in Wittenberg ein Eigentum erwirbt. — Am 25. März begieug^die Gesellschaft jüdischer Handwerker und Künstler in Berlin die Feier ihres vierzigjährigen Bestehens. — Die „Gesellschaft zur Verbreitung der Handwerke und des Ackerbaues unter die Juden im Preußischen Staate" unterstützt gegenwärtig in Berlin 84 Lehrlinge und verfügt über ein Vermögen von 80828 Mk. — Im Jahre 1884/85 betrugen die Einnahmen der Gabriel Rießer'schen Stiftung in Fürth 5693 Mk. und die Ausgaben 5055 Mk. — Der „Verein zur Verbreitung des Handwerks unter den Juden" in Düsseldorf versendet den Bericht über das sechste Jahr seiner Wirksamkeit. Die Zahl der Mitglieder ist auf 236 gestiegen. Im abgelaufenen Jahre betrugen die Einnahmen 2313 Mk. 40 Pf., die Ausgaben 1924 Mk. 7 Pf. Die Lehrlinge, die dieser Verein unterstützt, sind an Sahbaten und jüdischen Feiertagen kontraktlich von ihren Lehrherrn von jeglicher Arbeit dispensiert. An der Spitze dieses Vereins, der sich nicht die Unterstützuug, sondern die Verbreitung des Handwerkes zur Aufgabe stellt, steht Herr Rabbiner Di* Wedelt. — Dem Bericht des Mädchenstiftes in Frankfurt n. M ist zu entnehmen, daß die Anzahl der Pfleglinge sich auf gleicher Höhe wie bisher erhalten hat. Vier Pfleglinge haben im Laufe des Jahres die Anstalt verlassen. Bon den am Schluffe des Jahres im Hause iveilenden 23 Pfleglingen besuchen einige das Seminar der Elisabethenschule, andere das Dr. Hoch'sche Konservatorium, während die übrigen in hiesigen kaufmännischen Geschäften thätig sind. An Geschenken giengen ein: Für den Kapitalfond 2020 M., für den Betriebsfond 3818 Mk. Die Mitgliederbeiträge ergaben 4044 Mk., die Pensionsgelder 4755 Mk. Die Verwaltungskosten stellten sich auf 1744 Mk., die Haushaltnngskosten auf 12,600 Mk. — Der Mendelssohn-Verein in Dresden zählt gegenwärtig 171 Mitglieder, darunter Se. Majestät König Albert, Se. Königl. Hoheit. Prinz Georg, Se. Excellenz Ministerpräsident, v. Fabrice. — In Homburg v. d. Höhe wurde ein Mendelssohn-Leseverein gegründet mit dem Zwecke, Kenntnis der Lehre und Geschichte des Judentums auch in nichtjüdischen Kreisen zu verbreiten. Der israelitische Gemeindevorstand daselbst subventioniert diesen.Verein nicht nur, sondern hat auch für die hierzu nötigen Einrichtungen und Lokalitäten Sorge getragen, da gleichzeitig eine Vereinsbibliothek gegründet wurde. —Der Redakteur der Schaumburg-Kippe'schen Kandeszeitung, Herr Hans Keuh, wurde wegen des in einem Artikel abgedruckten Satzes „obwohl der begründete Verdacht vorliegt, daß die Juden sich für falsche Eide religiösen Dispens erholen zu können glauben" auf Anklage des Vorstandes der Synagogengemeinde in Gbernlrirchen frcigcsprochcn. Herr Leuß berief sich auf einen Satz aus der Allgemeinen Zeitung des Judentums von Dr. Fissau (1886) „So lange das Kol-Nidre Gebet in der Synagoge üblich, müsse der Jude erröten und so lange fordern die Juden die Gesetzgebung geradezu gegen sich heraus". Daß Kol-Nidre nichts mit Eiden in dem Sinne, wie Herr Leuß meint, zu thun habe wird trotz der hierüber veröffentlichten litterarischen Aufklärungen gewissen Kreisen immer noch nicht!klar. — In den Verhandlungen im deutschen Reichstage über das Sozialistengesetz wurde zu und von Ztölker, der seine antisemitischen Theorieen zum besten gab, iit Sätzen wie „Sie sind ein Narr" (Bebel), „das ist eine verläumderische Behauptung" (Singer), „eine aufreizende Natur" (Hänel), „die verächtlichste Erscheinung der