Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1886)
- Date
- 1886-05-01
- Page
- Seite 119 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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wmmmmmmmm WWMWM — 119 - er den ganzen Patriotismus für sich allein in Pacht genommen. Obzwar Börne am 5. Juni 1813 in Rödelheim getauft wurde, wurzelte er doch mit seinem Denken und Fühlen in dem jüdischen Bolkstume, von dessen Geist seine Seele umrauscht war. Börne starb am 12. Februar 1837 in Paris und höchst interessant'ist die Episode, die uns Alfred Meißner schildert, der als er bei schlechtem Wetter die Freundin Börne's, Frau Strauß, in Auteuil besuchen wollte, von Herrn Strauß mit den Worten zurückgewiesen wurde: „Es thut mir leid, aber sie haben einen schlechten Tag getroffen, meine Frau ist eingesperrt und läßt niemand vor. Sehen sie, ich selbst darf nicht zu ihr. Sie sitzt auf der Erde in ihrem Zimmer, sie hält Jahrzeit. Wirklich es thut mir leid, aber es ist heute der Sterbetag des Börne." Meißner blickte mitten im Regen auf das beleuchtete Fenster im Hinterhause, wo durch eine Gardine das Reschamahlicht hervordämmerte. Jenes ist längst erloschen, Börne's Geisteslicht aber flammt weiter fort. — „Zur Judenfrage nach den Akten des Prozesses Rohling-Bloch von Dr. 3o|tf Kopp, Landtags- und Reichsrats-Abgeordneter" ist der Titel einer bei Klink- Hardt in Leipzig erschienenen Schrift, in welcher Rohling, der feige die Flucht ergriffen, vor dem Forum der öffentlichen Meinung verurteilt wird. Herr Dr. Kopp, eilt Katholik, verdient für diese nieisterhafte Leistung den Dank des Judentums, da der Rohling'sche Antiseinitismus nicht nur im Pöbel sondern auch in den Höhenschichten der Gesellschaft die Geister verwirrt und die Herzen mit Haß gegen die Juden erfüllt hat. — In Kew-Aork ist erschienen: The Ethics of the Fathera by Eev. Dr. Alexander Kohlst, aus dem deutschen ins englische übersetzt von Mar Cohen. Beigegeben ist diesen ethischen Essays eine herrliche deutsche Rede „Beth-Elohim, Unser Tempel ein Gotteshaus". Herr Dr. Kohut hat diese Arbeit seiner Frau Julia gewidmet, die ihin leider bald nach Erscheinen dieser Schrift durch den Tod entrissen wurde. Bibliographisch zu verzeichnen sind drei Reden. 1) Rede gehalten am Sarge der verewigten Frau Caroline Friedmann geb. Friedmann gest. am 11. Februar 1886 von Dr. N. Brüll, Rabbiner der isr. Gemeinde in Frankfurt a. M. 2) Rede gehalten am Grabe des verewigten Herrn Moritz 9t. Felsenthal von H. Laubheim, Lehrer und Prediger der Synagogengemeinde in Bochum. 3) Trauerrede gehalten bei der Beerdigung der verewigten Frau Fanny Reiß geb. Oppenheim von Herrn Rabbiner Dr. N. Brüll am 14. März 1886 auf dem israelitischen Friedhöfe zu Frankfurt a. M. — Im Verlage von S. Ichottländer in Breslau sind zwei Reden von Herrn Rabbiner Dr. 3oel erschienen, die eine gehalten bei der gottesdienstlichen Feier des Regierungsjubiläums unseres Kaisers und Königs Wilhelm I. und die andere bei der gotttsdienstlichen Feier des hundertjährigen Todestages Moses Mendelssohns in der neuen Lynage in Breslau. Tief durchdacht und formvollendet in dep Darstellung verdienen diese ausgezeichneten Reden, die auf Wunsch und Aufforderung veröffentlicht wurden, in weitere Kreise zu dringen. — Das ständische Hilfs-Komitä für die Notstände russischer Israeliten zu Memel hat den Jahresbericht über seine Thätigkeit (1885) veröffentlicht. Wir gewinnen aus demselben ein Bild von einer dem Dienste der Humanität mit Aufopferung gewidmeten Thätigkeit, welcher der unermüdliche Dr. Külf vorstehet und dem hiefür die dankende Anerkennung und die stützende Teilnahme aller Edlen gebührt. Die Schilderung der Sedanfeier, bei der Kinder und Erwachsene geweint wegen der an diesem Tage kundgewordenen Ausweisungsbefehle, in dem von Dr. Rülf erstatteten Jahresberichte, zeigt uns wie hart diese armen Kinder besonders hievon betroffen wurden. Das Komit4 zur Unterstützung der bedrängten Israeliten in Frankfurt a. M. hat auch 2500 Mark zur Verfügung!