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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1886-05-01 · Heft 5 (1.5.1886) · p. Seite 98

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 5 (1.5.1886)
Date
1886-05-01
Page
Seite 98 (sequence 2)
Language
German
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98 die da auf Erden zur Vermehrung menschlichen Ruhmes, zur Erhöhung irdischer Macht, zur Erweiterung vergänglichen Besitzes, zur Befriedigm^ maßloser Eroberungsgelüste unternommen werden, und soweit es euch darum zu thun sein sollte, mit euerer Waffenmacht zu prunken, euch mit den Bewohnern Kanaans auf offenem Felde zu messe» und durch Siege und Eroberungen eueren Ruhm und Machtbesitz zu vergrößern, habt ihr mich in der That weder zu eueren Freunden noch zu eueren Feinden zu zählen, weder meinen Beistand zu erwarten noch meinen Widerstand zu befürchten. Wo ich kämpfe, da gilt es dem Dienste Gottes, dem Fortschritt der Wahrheit, dem Siege der Gerechtigkeit, der Verherrlichung der Tugend, der heiligen Sache des Göttlichen auf Erden und so bin ich denn jetzt, da ihr vor den verschlossenen Pforten Jerichos steht und im Begriffe seid, den Eingang in das Land der Verheißung zu erstürmen, hierhergekommen, um euch als mahnendes Vorbild vor Augen zu stehen, euch zu sage», daß ihr niit eueren Widersachern ganz auf gleicher Stufe euch befindet, eueren Sieg zweifelhaft macht und euch selbst zu Feinden werdet, so ihr nicht der Führung Gottes folgt und eine Besitzesvcrmehrnng und Machterweiterung euch als das höchste, als das alleinige Ziel euerer Kümpfe und Eroberungen erscheint. Auf Josua machte diese Rede den tiefsten Eindruck. Der Argwohn, mit welchem er zuerst jenem fremden Manne sich angeuühert, ist mit einem male aus seiner Seele wie hinweggelöscht, in Demut verbeugt er sich vor ihm, in dem vermeintlichen Widerfacher erkennt er eiiicu väterlichen Freund, feinen Herrn und Meister, von dem er Belehrung aiizunehiiien, Rat und Weisung zu enipfangen habe. So wisse denn, ruft dieser ihm jetzt zu, das; du auf heiligen! Boden stehst, daß dieses Land, das der Herr euch zum Besitze verheißen hat, vor allem anderen dazu bestimmt ist, ein Reich Gottes zu werden, in welchem nicht menschliche Macht und Willkühr, sondern das göttliche Recht allein das Szepter führt! Rur wenn ihr Knechte Gottes bleibt, werdet ihr Herr eurerer Feinde werden; nur wenn jeder Schritt, der in das Land der Väter euch zurückführt, vor Gott gerecht ist, durch den Aufblick zu solchen Heileszielen werdet ihr vor Verderben und Erniedrigung behütet sein. Josua verstand jetzt seine Sendung, seine Wege waren ihm klar geworden, er wußte fortan seine Feinde von seinen Freunden zu unterscheiden, denn sein Thun und Denken war geleitet von der Weihe des göttlichen Geistes. „Gehörst du zu uns oder zu unseren Widersachern?" Je mehr die Menschen ihre wahren Gesinnungen zu verbergen suchen, ihre eigentlichen Absichten zu verheimlichen wissen, je mehr ihr ganzes Verhalten und Auftreten darauf angelegt ist, ihre Mitmenschen zn täuschen und irrezuführen, sie von den Bestrebungen, die sie verfolgen, von den Zielen, die sie im Schilde führen, nichts merken zu lassen, desto berechtigter ist diese Frage, die wir au sie richten, desto schwerer wird es aber auch, den Freund von dem Feinde, den Anhänger von dem Gegner, den Bundesgenossen von dem Widersacher zu unterscheiden. Wie mancher, der gleich dem Helden bei Jericho wie zum Kampfe gerüstet sich uns entgegenstellt, so daß wir von vornherein in ihm nur einen gefährlichen Widerfacher erblicken, währenddem er in Wahrheit nur als ein treuer Helfer und mutiger Wortführer uns voranschreitet und wie mancher wiederum, der uns fortwährend seine Freundschaft beteuert, seinen Frieden verheißt, seine Anhänglichkeit darbietet, und in seinem Herzen lauert der finstere Neid, in seiner Seele wohnt der schnödeste Eigennutz! Für Israel wird es aber in unseren Tagen, in welchem nicht nur offene Feinde ihm gegenübertreten, sondern auch gar viele falsche Freunde es in's Verderben

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