Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1886)
- Date
- 1886-04-01
- Page
- Seite 83 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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83 Erasmus, der beim Lese» der Briefe an einem Halsgeschwüre litt, ward durch das Lachen von demselben befreit. Von derselben zündenden Lachwirkung sind „Briefe moderner Dunkelmänner" von Eckart Warner (Leipzig, Otto Wigand, 1886). Daß sie in schlichtem verständigem Deutsch, anstatt in schlechtem Mönchslatein erschienen sind, thut dem Buche gewiß keinen Abbruch. Eckart ist der sagenhafte süddeutsche Warner; einen zweifachen Warner nennt sich somit der Verfasser, und nicht mit Unrecht. Denn er warnt vor dem Umsichgreifen jener gefährlichen, im Finstern schleichenden Koterie falscher, der Freiheit des Gewissens und der Ueberzeugung feindlicher Priester, die aus dein Evangelium Christi eine Waffe grausamer Verfolgung und blinder Nachstellung aller Andersgläubigen, aller Freisinnigen, aller Edeldcnkenden machen und, sich in Nacht hüllend, ans dem Verborgenen giftige Pfeile der Bosheit und des Fanatismus entsenden. Wie ihr BcrnfSwirke» in so offenem Kontraste mit ihrem Privatleben steht, wie sie für sich allen irdischen Segen erstreben, aber für andere nur das himmlische Hosianah — das alles wird uns durch das eine offene Bekenntnis jener Koterie, deren Treiben sattsam bekannt ist, offen und deittlich gezeigt. Ein erklärender Anhang liefert die nötigen Belegstellen zu den in de» Briefen mitgeteilten Abnormitäten. Um dem Leser ein Beispiel zu geben, teilen wir aus dem Briese Johannes Filnzius stuck, tlleol. folgende Stelle mit: Sein Vater, Samuel Filuzius, Firma Schlaumeyer und Filuzius in Stromberg, der zu den pictistischsten Mitgliedern der Orthodoxie gehört, sich aber an einem Geschäfte in London beteiligt, das erwiesenermaßen Götzenbilder an die Heide» verkauft, hatte seinem in Berlin studierenden Sohn geschrieben, einmal einen Anstandsbesuch bei Hirsch Cohens Co. in der Nosenthalerstraße zu machen, „denn Geschäft ist Geschäft, und in dieser flauen Zeit muß man alles iiiitnehnien, und komme es auch von den gottverfluchten Semiten! Du brauchst cs ja Niemand zu sagen, daß Du bei den Juden gewesen bist, es möchte Dir verdacht werden, und Du weißt, welch ein begeisterter Antisemit ich selber bin!" Also Johannes besucht Hirsch Cohen & Co. „Unglücklicher Weise waren sie zu Hause und zwar die ganze Mischpoche, die mir denn einer nach dem andern vorgestellt wurden, Frau Sara obenan und dann die ganze lange Reihe der großen und kleinen Cohns männlichen und weiblichen Geschlechts. Mir fiel die Familie Pomuchelskopp aus der Stromtid ein mit Sälchen und Matchen, wie Onkel Schnöfe sie uns so herrlich vorzulcscn weiß. LÜe fielen über mich her wie die Adler über das Aas oder, um mich ästhetischer auszudrückcn, wie die Fliegen über den Milchbrei. Der alte Hirsch nötigte mich in das Sopha neben seine kleine fette Semitin von Frau, Sälchen ilnd Matchen nahmen eine schmachtende Stellung mir gegenüber an, das halbe oder ganze Dutzend kleiner Cohns (ich habe sie wirklich nicht gezählt) krappelten mir um die Beine und das jüngste Tierchen hatte wahrhaftig die ursemitische Dreistigkeit, mir ans das Knie zu klettern und mich mit seinen fettigen Händen zu betasten. Eine schöne Situation für einen zukünftigen Prediger der christlichen Religion. Wenn meine Comilitonen mich so gesehen hätten! Ich dachte so bei mir: Unser lieber Heiland hat doch kraft seiner göttlichen Natur vieles gekonnt, was wir anderen ihm nicht nachmachen. Hat er nicht Jndenkinder in den Arm genommen und geküßt? Wenn man weiter nichts von ihm wüßte, als diese eine Thatsache, es würde hiureichen zum Beweise, daß er kein bloßer Mensch gewesen sein kann, sonder» ein wahrhaftiger Gott vom Vater in Ewigkeit geboren. Mir wurde ordentlich übel in der Judenatmosphärc. Und denke Dir, Vater, der alte Hirsch hatte die Frechheit, seiner