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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1886-04-01 · Heft 4 (1.4.1886) · p. Seite 74

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 4 (1.4.1886)
Date
1886-04-01
Page
Seite 74 (sequence 2)
Language
German
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74 — verneint worden.r) Er sei — sagen sie — aus Eitelkeit und weichlicher Genußliebe ein Gönner der zeitgenössischen Geisteshelden geworden. Frühzeitig vom Staatsdienst in ein behagliches Mußeleben zurückgetreten, mit-; großen Reichtümern ausgestattet, womit sollte er sein Gemüt beschäftigen? Mit der Befriedigung niedriger und auch vornehmer Launen. Er wird ein Jäger des Vergnügens und fängt es, wo er es findet. Dieselbe Genußsucht, die ihn ein neues Küchengericht erfinden läßt - ein Mauleselfüllengericht, die ihn den Urheber und Patron des höchst schlüpfrigen römischen Pantominenspiels werden und es überhaupt mit sittlichen Begriffen sehr leicht nehmen läßt, sie läßt ihn auch Wohlgefqllen daran finden, daß sein Haus uud seine Gärten Sammelplatz aller witzigen Köpfe, Virtuosen, fröhlichen Brüder ltub angenehmer Müßiggänger wird, die mit ihm lustig zechen und in „mörderischem Trinken" — wie Horaz in seinen Satiren sagt — miteinander wetteifern-, läßt ihn endlich auch, da er zugleich ein Mann von Bildung und seinem Geschmacke ist, nach den geistreichen Unterhaltungen eines Horaz uud Virgil begehren, wobei ihm der Gedanke schmeicheln mochte, beim römischen Volke als nahestehender und also ebenbürtiger Freund dieser geistigen Größen zu gelten. Wie viel Wahres nun auch in dieser Sache liegen mag, so wird man doch mit Recht sagen, dies ändert nichts an der Thatsache, daß er den Musen treffliche Dienste geleistet, Dienste, deren Nutzen mittelbar noch heute den Litteraturen der Welt zu Statten kommt. Richtig, und dennoch muß es als ein nicht ganz zu verwerfendes Gefühl bezeichnet werden, .welches jene allerdings übertrieben schmälernde Kritik in ihrem Urteil geleitet hat. .Daß ein eitler, genußsüchtiger Mann dennoch so viel idealen Sinn sich bewahrt, daß er seine Schwächen auch der Wissenschaft zu Gute kommen läßt, das ist gewiß in hohem Grade zu schätzen. Wäre er in der Erinnerung der Menschen nicht herausgclrcten aus seiner Persönlichkeit; hätte'man, so der Name Mäcen genannt wird, etwa dasselbe gemessene ehrende Gefühl empfunden, wie man es bei Nennung manches anderen, in anderer Richtung verdienten römischen Ritters empfindet, so wäre an dieseni Ruhme durchaus nichts zu mäkeln. Allein er ist vom römischen Wissenschaftsgönner zum Schutzherrn der Wissenschaft überhaupt, zum Repräsentanten und Muster alles litterarischen Patronats aufgestiegen; um dies ungeme ssene Lob zu verdienen, gehörte allerdings mehr, gehörte vor allem eine selbstlose Hingebung, eine reine Begeisterung für die Wissenschaft um ihrer selbst willen und um willen der veredelnden Einwirkung, die ihre Verbreitung auf die Mitwelt übt. Wir haben hier ein lehrreiches Beispiel, wie zuweilen durch die Gunst zufälliger Umstände der Ruhm die Ruhmwürdigkeit überschreiten kann. Rom war damals Weltmacht, gewissermaßen die Repräsentation aller Staatsgewalt auf Erden; ebenso war — als eine natürliche Folge — die römische Sprache, in der der römische Geist sich mitteilte, Weltsprache und blieb es ja in gewissem Sinne bis auf den heutigen Tag, dadurch aber wurden die trefflichen unter den römischen Schriftstellern wie von selbst Weltgrößen, und ihr Gönner, zumal wenn er vereinzelt auftauchte wie Mäcen, ein Gönner der W eltlitteratur. Von hier bis zum musarum euergetes optimus maximus, wie ihn ein Biograph nennt, bis zu dem sublimen Begriff der Mäcenität, wie wir ihn heute fassen, war, wie leicht zu sehen, nur ein kleiner Schritt. h Siehe über das Folgende Freudscn über Mäcen.

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