Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 6 (1886)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1886)
- Date
- 1886-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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I Populär -wtotradtaftlfchit zur -liefcOnuuj ftßer bas Judentum für Gebildete aller Konfessionen. Organ des Mendelssohn-Vereins in Frankfurt a. 21T. Herausgegeben von Di\ Adolf Briil l. Abonnementspreis Mk. 6 per Jahr. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten des In- und Auslandes. Jnsertionspreis pro gespaltene Zeile 20 Pf. Alleinige Jnserateuannahme: Annoncen-Expedition H aasen st ein & Vogler. 6. Jahrgang. Frankfurt a. M. , den 1. März 1886. Nummer 3. Korn und die Kömer vom Standpunkte des Halmud und der Midraschim. Bon I. Wiesner. Gar viele klassische Schriftsteller alter und neuer Zeit, gar viele tüchtige Historiker haben Rom und die Römer, die Vermittler der abendländischen Kultur, mit allem Aufwande von Geist und Scharfsinn, nach den besten nicht spärlich fließenden Quellen, in allen ihren Eigentümlichkeiten gezeichnet und dargestellt. Dennoch glaube ich mich zn der Annahme berechtigt, daß es nicht ohne Interesse wäre wahrzunehmen, wie die Zeitgenossen jüdischen Stammes über Rom geurteilt, was sie von den Röniern gedacht und geschrieben haben. Und wie der Standpunkt der Inden Rom gegenüber ein ganz eigener war, so maß auch das Bild, das sie uns von diesem großen die ganze damalige Welt umspannenden Staate und von seinen Machthabern entwerfen, ein eigenartiges sein, das vielleicht manche Dunkelheiten der römischen Geschichte zu erhellen und unsere Kenntnis des römischen Wesens zu ergänzen nicht ungeeignet sein dürfte. Wohl ist nicht außer Acht zu lassen, daß diejenigen, welche uns im alten jüdischen Schriftume ihre Nachrichten, ihre Auslassungen über Rom und die Römer hinterlassen, nichts weniger als Historiker sind; der jüdische Stamm ist, wie alle orientalischen Völker, sehr arm an Geschichtswerken, und bei dem einzigen namhaften jüdischen Geschichtsschreiber Josephus ist es weniger der Jude als der Historiograph des kaiserlichen Flavischcn Hauses, der aus seinen Büchern zu uns spricht.