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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1886-02-01 · Heft 2 (1.2.1886) · p. Seite 34

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 2 (1.2.1886)
Date
1886-02-01
Page
Seite 34 (sequence 10)
Language
German
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34 Un'erhaltnugsstoff verschlingt, je pikanter derselbe mit geistreichen Impromptus . und interessanten Seitenblicken nuf die große Gesellschaft und ihr Treiben gewürzt ist. Wenn die Presse in den letzten Jahrzehnten eine Macht geworden ist, der sich nichts vergleichen läßt, so ist dies auch nicht zum wenigsten dem sozialen Roman zuzuschreibcn. Wird diese Macht gut angewendet, so ist nicht zu leugnen, daß Großes und Gutes durch sie bewirkt werden kann. Von der weithallcnden Tribüne der Presse ans lassen sich wichtige tiefeingreifende Wahrheiten weithin und bis in die entlegensten Plätze verbreiten. Jedes andere Verbreitungsvehikel ist verschwindend unbedeutend dagegen. „Es können auch nur die Indifferenten und sogenannten klugen Leute sein", um mit Heine zu spreche», „welche fürchten, religiöse Wahrheiten zu besprechen. Wer sich scheut, von Gott zu sprechen, der ist der eigentliche Gottesleugner!"- Warum die tiefklaffende Wunde verbergen? —früher oder später wird sie doch offenbar, und dann zu ihrer Heilung schärferer Heilmittel bedürfen, als bei vorsichtigem Znvorkoninien der Fall gewesen wäre. So müssen wir denn auch W. Jordan dankbar sein, eine in unser Leben so tiefeingreifende Frage in die Form eines Romans eingekleidet und uns vorgelegt zu haben. Wir werden eingeladen ein Forum zu bilden, und beeilen uns, unser Urteil ansznsprechen. Jordan ist Schriftsteller, aber vor allem Gelehrter. Seine weitgehenden Sprachforschungen wirken auf seine schriftstellerischen Arbeiten dermaßen ei», daß das Interesse für die Sprache, die bei Jordan eine ganz eigene, originelle ist, oft dasjenige für die Sache, für die Erzählung überwiegt, ja, oft bei Ausdrücken, die er erst erfunden hat und die kaum in einem Wörterbuche deutscher Sprache auzntresfe» sind, störend wirken kann. Wer nur Geschichten lesen wilh-wer kein Jnterrcsse für Wohllaut und Bildung und keine Empfänglichkeit für die höhere Kunst der Sprache besitzt, wird sich bei der Lektüre der Werke nnsers Linguisten und Schriftstellers unbehaglich finden. Hinsichtlich der Purifizierung der deutschen Sprache von Fremdwörtern würden Campe und Adelung ein Freudengeschrei erheben. Was die Expositon des Romanes betrifft, so ist hier die erdrückende Lehrhaftigkeit und Doktrin zu bemerke». Jean Paul kann sich mit seinem Zettelkasten vor unsern heutigen Romanschriftstellern, die oft ganze Kapitel und Systeme aus Lehrbüchern einschieben, verstecken. Die Handlung verträgt sich mit den dargebotcncn L.ehren und Hypothesen und wollen wir diesen Punkt nicht länger betonen. Der Roman spielt, wie es jeder guter Roman soll, in der besseren Gesellschaft und bewegt sich fließend vorwärts. Er hat seinen Konflikt, der zwar nicht tragisch ist, aber dennoch in Spannung erhält. Wir bemerken ausdrücklich, der Konflikt ist kein tragischer, denn der Widerstand, der sich einer Heirath von Seiten einer Religion entgegenstellt, ist heute nicht mehr tragisch. Der Bannfluch des Papstes sowohl, wie der des Rabbiners sind nicht mehr zu fürchten, und ein Konvertit wird schwerlich in unserer Zeit im anßerkirchlichen Leben gekränkt und verachtet werden. So ist denn auch die durch Temperament wie äußerliche Beeinflußung bigott katholische Hildegard v. Sebald nicht gerade in einem tragischen Koflikte, wemi^ sie dem natnralisirenden Theologen Ulrich, protestantischen Prediger an der Sebalduskirche zu Oedenburg, der ihr durch günstigen Zufall das Leben aus einer Kluft des Mittelglürnisch rettet, aus religiösen Motiven die Hand verweigert. Die Schranke, der Konvenienz ist nicht trqgisch. Desgleichen ist auch die andere

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