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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1886-02-01 · Heft 2 (1.2.1886) · p. Seite 32

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 2 (1.2.1886)
Date
1886-02-01
Page
Seite 32 (sequence 8)
Language
German
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32 von den jüdischen Lehrern in Uebereinstimmung mit dem Moral- und dem philosophischen Fortschritte ihrer respektiven Zeitalter, und die Doktrin der Unsterblichkeit der Seele betont. Kurzum, die Juden Amerikas werden aufgefordert, die traditionellen Ceremonien zu verlassen, die Circumcision abzuschaffen, alle Hindernisse einer Mischehe zu entfernen. Gott und Moral in Uebereinstimmung mit den Lehren der herrschenden philosophischen Schule aufzufassen und den Glauben auszudrücken, daß die Unsterblichkeit der Seele eine unerläßliche Doktrin des Judentums ist. Juden sollen in der That Unitarier werden und sogar nicht von der orthodoxesten Art, denn wir zweifeln, ob Unitarier der außerordenttlichcn Annahme zustimmen werden: „daß, da Christentum und Islam Töchter des Judentums sind, wir ihre providcntielle Sendung in der Verbreitung des Monotheismus und der moralischen Weisheit anerkennen." Natürlich hat diese Kundgebung eine» großen Aufruhr in der amerikanischen Judenheit hervorgernfen. Die Synagogen Hallen wieder von Protesten der Orthodoxen und die Zeitungen wallen über in gereizten Leitartikeln. Wir teilen nicht die Unruhe unserer amerikanischen Brüder. Wir betrachten es eher als ein erfreuliches Zeichen der Klärung, daß endlich die excentrischen Reformrabbiner sich entschlossen haben, einen festen Standpunkt einzunehmen und ihr bis jetzt so wandelbares und unzuverlässiges Programm zu formuliere». Rechte Befriedigung wird dasselbe aus keiner Seite Hervorrufen. Dazu ist es zu wenig positiv und ausbauend und erscheinen die Thesen mehr als Produkte eigener Gedankenkonstruktion denn als Ergebnis tieferer Erfassung der historischen Traditionen des Judentums*). Die amerikanische Orthodoxie kennt nun die Schwäche dieser Bewegung, sie weiß, daß diese nicht die schwächste Ähnlichkeit mit dem väterlichen Judentum hat und selbst die legitime Verwandtschaft mit ihm aufgiebt. Ihre Berechtigung zur Freude wird vollkommen sein, wenn Or. Wise die Drohung ausführt, die er für passend erachtete, in einer kürzlichen Ausgabe seines Preßorganes zu veröffentlichen, wenn er sich nämlich von denjenigen lostrennt, die nicht die Ideen und Gefühle des amerikanischen Judentums anerkennen. Thatsächlich kann es sö ein Ding wie ein amerikanisches Judentum nicht geben! Dr. Wise mag ein neues Religionssystem fassen, aber es ist deswegen noch nicht notwendiger Weise eine Form des Judentums. Die Religion des jüdischen Volkes muß aus ihrem inneren Geistesstainme heraus sich fortentwickeln, der keineswegs in amerikanischem Boden wurzelt. Oder giebt es ein amerikanisches Christentum? Können wir uns einen amerikanischen Jslamismus vorstellen? Was würden die Christen Amefika's sage», wenn Jemand ihnen daselbst eine Religion predigen würde, in welcher die Unsterblichkeit der Seele verneint und die Trinität von jeder neuen Phrase der Methaphysik abhängig gemacht würde, und man dies amerikanisches Christentum nennen würde? Und dennoch ist es dasselbe als das, was Or. Wise mit der jüdischen Religion vor hat. Wir wollen gerne vr. Wise und seinen Genossen Gewissenhaftigkeit zuerkennen und darum *) In Warschau ist als Manuscript gedruckt in polnischer Sprache eine Tchrift erschienen „Probet Reforiny w Judaizme", in welcher noch weitgehendere Reformen ist Pittsburg verlangt werden. Die Reformbedm ftigkeit des Judentums läßt sich freilich durch wohlfeile Friedensphrasen und erkünsteltes pseudoorthoxes Echauffement nicht bannen und wegschaffen. Aber es wäre im Allgemeinen denn doch zu wünschen, daß sich die Resormbestrebungen mehr auf positiver Bahn bewegen und. an die Resultate der historischen und theologischen Wissenschaft des Judentums sich anlehnend, auf die Verinnerlichung seiner religiösen Ideen zunächst hinarbeiten und nicht luftigen und haltlosen Phantomen nachgejagt werde. D. Red.

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