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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1886-01-01 · Heft 1 (1.1.1886) · p. Seite 13

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 1 (1.1.1886)
Date
1886-01-01
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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13 ironisirenden Beigeschmack nannte, Schadov's Lehrer, welcher nach des Schülers Ausspruch in den letzten Regieruiigsjahren Friedrichs des Großen die Kirchhöfe Berlins unsicher machte, schien trotz seiner hohen Stellung am wenigsten befähigt zu sein, ein lebensvolles Werk dem rohen Marmorblock abzugewinnen. Mehr routinirt als! genial, hat er durch die Büste seines Königs, der Statuen des Feldmarschalls Keith und des Generals Seydlitz bewiesen, daß er wenig geeignet sei, die seelischen Empfindungen, das geistige Arbeiten, die Reflexe der Lebenserfahrungen zu künstlerischem Ausdruck zu bringen. Das harte Wort eines Kunstkritikers, Tassaerts allegorische Statuen zeigen, wie.tief die Kunst herabsinken kann, bedarf bezüglich der Mendelssohnbüste der Einschränkung. Denn hier hat er das Niveau handwerksmäßiger Arbeit verlassen und mit seinem Meißel ein von Mit- und Nachwelt anerkanntes Kunstwerk geschaffen. Wer weiß, ob nicht die Eigenart des Stoffes ihn anzog, ob nicht seine Individualität menr dazu neigte, das Leben der Helden des Geistes als der des Krieges in die Züge steinern Antlitzes zu grabeu. Auch die Büste des Abbä Raynal ist dessen Zeuge. Was in dem edlen Gesicht des kleinen unansehnlichen, schwächlichen Moses geschrieben stand und was der Verehrer in der plastischen Darstellung lesen wollte: Den forschenden Geist, die prophetische Kraft des Sehers, die Herzensreinheit, die Gemütstiefe und demutsvolle Bescheidenheit — der letzte Vertreter der niederländischen Kunstschule in Deutschland hat es hineinzulegen verstanden titb in den, zum Idealisieren ihm gestatteten Grenzen in der Mendelssohnbüste ei r einheitliches, getreues Bild gegeben. Einheit, Harmonie, Lebenswahrheit blicken uns aus allen Zügen entgegen, nichts Störendes drängt sich zwischen uns. Mendelssohn scheint den Mund zu öffnen, als wolle er uns mit seiner milden Weltweisheit, mit seiner kritischen Geistesschärfe, mit irgend einer Perle aus seiner Seelentiefe erfreuen. Man hat den scheinbar offenen Mund an der Tassaert'schen Büste getadelt, doch dabei übersehen, daß der Künstler — mit Recht zu wirksamern Eindruck seines Werkes — uns in der Illusion des Lebens und der seelischen Thätigkeit erhalten wollte. Zeitgenossen sprachen sich lobend über die Arbeit aus; so meldet u. A. ein kurzer Bericht in Nr. 49 der Allgem. Literaturzeitung vom Jahre 1785: „Kurze Nachrichten. Berlin. Der Königl. Hofbildhauer Herr Tassaram (). h. Tassaert) hat die Büste des Herrn Moses Mendelssohn sehr ähnlich aus weißem Marmor angefertigt und Herr Prof. Ramler das Picdestal mit folgender Inschrift versehen: M o s e s Mendelssohn, geboren in Dessau im Jahre 1739 von jüdischen Eltern. Ein Weiser wie Sokrates; den Gesetzen der Väter getreu; Unsterblichkeit lehrend; unsterblich wie Er." Nach dieser Tassaert'schen Büste hat neuerdings die renommierte, in Fachkreisen rühinlichst bekannte Kunstanstalt August Gerber in Köln, deren Erzeugnisse in vstleu staatlichen Lehranstalten und Museen in Deutschland und dem Auslande als mustergiltige Arbeiten Aufstellung fanden, zwei Büsten in Gyps und Elfenveinmasse in verschiedenen Größen geschaffen, welchen künstlerischer Wert zugesprochon werden muß. Der lebendige Ausdruck des Antlitzes, des seelenvollen Auges ist vorzüglich gelungen, während die kunstgerechte Drapirung des Gewandes uns vergessen läßt, daß der große Philosoph bei seinen Studien, bei der Vertiefung in die Gedankenschätze Moses Maimonides einen „so verwachsenen Körper bekommen hat". Eine gleichfalls gelungene Büste ist nach dem vorhandenen Material fängst auf Anregung der bekannten Kunstgießerei von M. Czarnikow & Co. von Bildhauer Walger in Berlin angefertigt worden; auch sie hat künst-

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