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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1902-12-01 · Heft 12 (Dezember 1902) · p. Seite 274

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
22 (1902)
Issue
Heft 12 (Dezember 1902)
Date
1902-12-01
Page
Seite 274 (sequence 10)
Language
German
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274 Haman vorstellte verbrannt wurde, wobei die Jugend um die Flamme herum« sprang. Die Stellung der Frau war bei den Babylonischen Juden eine äußerst achtungsvolle. Sie wurden zu angesehenen Stellen zugelassen und wurden zu Vormündern für unmündige Waisenkinder und zu Armenvorsteherinnen ernannt. In der Freude wie in der Trauer zeigte sich noch ungebrochene Kraft. Die Babylonischen Inden waren nicht die stillen Dulder, kannten noch nicht das Lied vom ewigen Entsagen und Entbehren. Sie waren noch gleichberechtigte freie Bürger, die Freud und Leid tiefer empfanden, als ihre unter dem römischen Joche gebeugten palästinensischen Zeitgenossen und Mitbrüder von denen das Wort der Schrift galt: „Und ich mache all ihrer Freude ein Ende, ihrem Feste, ihrem Neumonde, ihrem Sabbat und all ihre» Feiertagen." Daß die Juden im Allgemeinen nicht so peinlich am Gesetze hingen ersieht man daraus, daß der Babylonische Kaufmann Ananias dem König Jzates, der zum Judentum übertrat, von der Beschneidung abriet mit der Bemerkung, daß man auch ohne Beschneidung Gott verehren könne. Der oberste jüdische Verwaltungsbeamte und Richter in Babylon war der Exilfürst. Die Richter empfingen weder von der Stadt noch von den Parteien eine Belohnung; sie beschäftigten sich mit ihren Berufsarbeiten, waren Ackerbauer, Handwerker, Lastträger. Nur auf Schadenersatz für die versäumte Zeit konnten sie Anspruch erheben. Die Gelehrten bestrebten sich den Kapitalismus nicht zu fördern. Als treue Schüler der Propheten strebten sie vielmehr nach der möglichen Ausgleichung der sozialen Verhältnisse. „DaS Land der Finsternis" wie die Palästinenser Babylon genannt hatten, war dazu ausersehen, die Leyre zu hüten und Jabneh wurde von Sephhoris und dieses von Uscha abgelöst. Leuchten der Lehre waren Nab und Samuel. Rab hat für die Entwicklung der Lehre wie für die Belehrung des Volkes gesorgt. Gegen die Unsitte, daß Verlobungen ohne vvrdergegangene Verständigung des Brautpaares erfolgten oder daß der Bräutiganl seine Braut erst vor der Eheverbindung zu sehen bekam, verdängte er Strafen und suchte Eheschridungen zu erschweren, Ehescheidungen auf bestimmte Zeit erklärte er für ungültig. (Gittin 85b). Er stellte das Prinzip auf, daß die Gesetze nur gegeben würden um die Menschen zu läutern. (Gen. rabah e. 74 u. Lev. r. c. 13). Bon Rab stammen die herrlichen Neujahrsgebete: „So lasse denn kommen Ewiger, unser Gott, deine Furcht über alle deine Geschöpfe und ehrfürchtiges Bangen vor dir über Alles was du geschaffen, daß dich fürchten alle Geschöpfe und vor dir sich bücken alle Wesen und sie alle werden zu einem Band deinen Willen zu thun mit ganzem Herzen" und „Gott und Gott unserer Väter! entfalte deine Herrschaft über die ganze Welt in dieser Herrlichkeit und erhebe dich über die ganze Erde in deinem Glanze und erstrahlein der Pracht deiner glorreichen Majestät über alle Bewohner deiner Erdenwelt, damit jedes Geschöpf erkenne, daß du es gescbaffen und jedes Wesen einsehe, daß du es gebildet und alles was Odem hat ausrufe: der Ewige, der Gott Israels ist König und sein

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