Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 22 (1902)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1902)
- Date
- 1902-12-01
- Page
- Seite 273 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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— 273 — 1 - _ Die Juden in Wabykonien 200—500. - Bon Dr. S. Funk-Berlin. Verlag von M. Poppelauer 1902. —■— :3 Der Verfasser hat die Geschichte dieser Zeitperiode vertieft und dem inneren 1 Leben der Juden große Aufmerksamkeit zugewendet. Wenn man auch nicht immer ■} mit dem Verfasser übereinstimmen kann, so wird man doch seine auf ernste Studien ruhenden Forschungen stets würdigen und rühmend anerkennen. |j Wir wollen hier nur Einiges für unsere Leser aus diesem lehrreichen Buche? hervorheben. Sehr gut standen die Handwerker und Kaufleute in Babylonien, j Erstere hatten nie über Roth zu klagen wie aus dem im Bolksmunde verbreiteten ' Satze hervorgeht: „Sieben Jahre Hungersnoth und der Handwerker hat noch immer Brot" (Sanbedrin 29a) und letztere durchzogen in großen Karawannen die * Steppen mit ihren gewerblichen Erzeugnissen, mit Kleidungsstücken aus Leinen, Hanf und babylonischem Purpur. Sie besuchten große Märkte; den Wäizenmarkt zu. Hini und Schili, den Wollmarkt in Pum Nahara und Be-Husa wie denn überj Haupt der Markt (Suk) den Mittelpunkt der orientalischen Lebens bildete. Geregelt war auch das Fuhrwesen; die Babylonier hatten einen regelrechten Zonentarif für . die Benutzung der Lastthiere, der nach Strecken von 10. Parasangen eingeteilt war. .? Der überwiegende Teil der Babylonischen Juden aber widmete fich dennoch dem Ackerbau. Das Losungswort der damaligen Zeit war: „Besser auf dem Düngerhaufen Suras als in den Palästen Pum-Baditas" (Horajoth 12a und Keritot 6a). j Von Wertschätzung des Ackerbaues zeugen auch die Sätze: „Wer seinen Acker bestellt, wird des Brodes satt" (Sanbedrin 59d) und: „Wer keinen Acker hat, ist ) kein Mensch" (Jebam. 63a). Darum hat auch Rab seinen Söhnen geraten, bei J dem Ackerbau zu bleiben mit den Worten: „Besser ein Maaß Ackerland als ein großes Warenlager" (Pesachim 113a). Damals war es der größte Schimpf welche«?! man einem Juden anthun konnte wenn man ihn Wucherer nannte (Nedarim 49b).; Wenn ein Jude einem Heiden auf ZinS leiht so wird ihn der Himmel strafen als wenn er einem Israeliten geliehen hätte tradiert R. Nachman. (B. mezia 706).? Das Leben der glücklich eintönig dahinlebenden Dorfbewohner war angenehm unterbrochen durch die Feier der Sabbate und Feste. Zu letzteren zogen sie schaarenweife? über Berg und Thal zwischen blühenden Gefilden und Palmwäldern, oft auch auf leichten Barken über klare Gewässer nach den größeren Städten zu gemeinschaftlichem Gottesdienste, oder wo möglich nach der Residenz des Exilarchen, wo sie. .; sich an der Prachtentfaltung des fürstlichen Hofes und seiner Gelehrten ergötzten. Während bei solchen Festen der Vormittag dem Gottesdienste und den Borträge« i gehörte, wurde an Nachmittagen getanzt und gejubelt. Mit großer Belustigung für die Jugend war das Purimfest verbunden, an welchem eine Figur die den