Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 22 (1902)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1902)
- Date
- 1902-10-01
- Page
- Seite 240 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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240 alte Großmutter, die auch täglich in dem Buche liest, mit den lieben, bebenden Lippen und mit der Brille auf der Nase — und dieses Buch heißt auch ganz kurzweg das Buch, die Bibel. Mit Fug nennt man diese auch die heilige Schrift; wer seinen Gott verloren hat, der kann ihn in diesem Buche wiederfinden und wer ihn nie gekannt, dem weht hier entgegen der Odem des göttlichen Wortes." Doch nicht bloß vom religiösen, sondern auch vom ästhetischen Standpunkte, aus verdiente die Bibel von jedem Gebildeten gelesen zn werden. Freilich soll auch die Übersetzung derselben dem Genius der deutschen Sprache gerecht werden. Wir sind daher dem Verfasser des vorliegenden Werkes zu Dank verpflichtet, daß er sich der schwierigen Aufgabe unterzogen hat, einzelne Teile der Bibel, das „Hohelied", das „Klagelied", den „Psalter und das „Buch Hiob" in gebundener Sprache wiederzugeben. Die Übersetzung ist allerdings oft sehr frei, dringt aber in den Geist des Originales ein. Wir geben im folgenden einzelne Proben: „Seine Linke stützt das Haupt mir, Seine Rechte mich fest umschlingt. Mein liebedurstiges Auge Den Geliebten selber trinkt." „Auf, auf, meine süße Taube, Du schöne Schäferin! Hinauf ins Felsgeklüfte, Dort führe ich dich hin." „Dort will ich ins Auge dir schauen Und hören der Stimme Laut. Wie süß sind deine Augen! Wie ist deine Stimme traut! (Hohe- Lied.) Vorliegendes Buch verdiente von Brüx. „Tausend nicht und nicht Zehntausend Fürcht ich, ob auch unbewehrt; Mich schützt Gottes Arm, der sausend Und zerschmetternd niederfährt." (Psalm 3.) „Ach es schmilzt die Treue hin Und die Frommen wanken; Falsche Rede, falscher Sinn Herrschen ohne Schranken." (Ps. 12.) „Was der Mensch hier kann erfassen, Ist die Hälfte nur des Seins. Wollte Gott sich vor dich stellen Und mit Weisheit dich erhellen, Sänk die Hülle falschen Scheins, Und du würdest wohl erblassen. (Hiob 11.) jedem Gebildeten gelesen zu werden. Or. Biach. Inhalt: Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums. — Die Stellung der Reform zum Ceremonialgesetz. — Die Religion. — Nicolaus Lenau und Esterka Axamit. — Die Königlich Württembergische Regierung über die Einführung der Schriften I. Jo hl so «s im Jahre 1823. — Monatsschau. — Referate und Mitteilungen. Verantwortlicher Redakteur und Herausgeber Ur. Adolf Brüll; in Kommission für de« Buchhandel bei Franz Benjamin Auffarth; Druck von H. L. Brönner'» Druckerei (F. W. Breidenstei»), sämtlich in Frankfurt am Mai».