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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1902-10-01 · Heft 10 (Oktober 1902) · p. Seite 218

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
22 (1902)
Issue
Heft 10 (Oktober 1902)
Date
1902-10-01
Page
Seite 218 (sequence 4)
Language
German
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218 Wissenschaft dem nach Lehre dürstenden Volke zugänglich zu machen und alle bereits bestehenden dahin gehenden Bestrebungen aufs kräftigste stützen. Wir werden nicht verfehlen unsere geschätzten Leser, denen wir diese Angelegenheit aufs wärmste empfehlen, über den Gang der Bestrebungen auf dem Laufenden zu erhalten und fügen nur noch hinzu, daß alle diesbezüglichen Vorschläge .und Briefe an Herrn Rabbiner vr. Lucas in Groß-Glogau zu richten sind. An unsere Glaubensgenossen! Die Überzeugung des Einzelnen von der Bedeutung und der Wahrheit des Judentums sowie auch die Wertschätzung unserer Lehre und unserer Geschichte durch die andersgläubigen Mitbürger steht in genauem Zusammenhang mit der Stellung, welche die Wissenschaft des Judentums einnimmt. Die Wissenschaft des Judentums gab den früheren Geschlechtern Halt und Hoffnung, sie gab auch unseren Vorkämpfern stets die Richtung für die Verteidigung und die Abwehr. Unsere Wissenschaft hat in her Neuzeit nicht nur nicht an Bedeutung verloren, sondern ihre Probleme haben sich erweitert und durch die allgemeinen Methoden der Wissenschaft sind sie selbst bestimmter geworden. Wir erkennen, daß die freie wissenschaftliche Bearbeitung unseres Schrifttums eine der allerlebendigsten und tiefsten Quellen der allgemeinen Kultur, des geistigen und insbesondere des sittlichen Fortschrittes der Menschheit ist und als solche in jedem Kulturstaate anerkannt werden sollte. Diejenigen Gelehrten, welche die Wissenschaft des Judentums an den Universitäten lehren, haben in der That rühmliche Leistungen hervorgebracht, denen gegenüber wir es an lauter Anerkennung nicht haben fehlen lassen. Wir dürfen darüber aber nicht übersehen, daß ihre Befangenheit dem Judentum gegenüber ihre Sachlichkeit beeinträchtigt; auch erstreckt sich ihr Wissen meistens auf den Kanon, nicht auf die späteren Quellenwerke des Judentums. Wir können jedoch auf rein sachliche Beurteilung und für die spätere Entwicklung unserer Religion und unserer Geschichte auf wissenschaftliche Beachtung nicht verzichten. Dafür eintreten ist eine Pflicht der Selbsterhaltung, die heiligste Pflicht gegen unsere Religion, aber auch gleich sehr eine Pflicht gegen die Wissenschaft und die allgemeiue Kultur. Zunz hat in seiner tiefen Einsicht es ausgesprochen, daß unser Ghetto erst dann schwinden wird, wenn das Ghetto unserer Wissenschaft aufhört. Unsere Zuversicht niuß auch darauf gerichtet werden, daß an den Universitäten die von jeder Befangenheit freien Lehrstühle für unsere Wissenschaft begründet werden; die Not der Zeiten lehrt uns aber, daß diese unsere Emanzipation noch weit im Felde sein dürfte. So gilt es, selbst Hand ans Werk zu legen und eine Organisation zu schaffen, deren Größe der Bedeutung und den Aufgaben unserer Wissenschaft entspricht Wir planen eine „Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums". Diese Gesellschaft soll zuvörderst begabte junge Leute, welche das Universitätsstudium sowie eine der theologischen Anstalten absolviert haben und welche Neigung

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