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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1902-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1902) · p. Seite 189

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
22 (1902)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1902)
Date
1902-07-01
Page
Seite 189 (sequence 45)
Language
German
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189 feit ein Ende bereitet und fomit der gebildeten Laienwelt einen Dienst erwiesen. Der Hauptbegriff Nietzsche's ist hier leichtfaßlich erörtert und Nietzsche als Philosoph und Dichter gelungen geschildert. — Auch „Jung Juda", Zeitschrift für unsere Jugend (erscheint alle 14 Tage, Red. und Adm. Prag, Myslikgasse 14) verdient registriert zu werden. Seitdem die Leitung dieses für die jüdische Jugend warm zu empfehlenden Blattes, Rabbiner Freund in Bodenbach übernommen, hat diese seit zwei Jahren erscheinende Jugendzeitung, viel gewonnen. Sie ist geeignet, die Jugend nach Möglichkeit zu belehren, derselben angenehme Lektüre zu bieten und sie mit dem jüdischen Leben, seinen Lehren und Sitten bekannt zu machen. Schriftsteller, welche es sich zur Aufgabe machen, die junge Welt anzuregen, zum Studium anzuspornen und ihr Nützliches zu bieten, verdienen Lob und Anerkennung. — Und nun wollen wir noch auf ein Werk aufmerksam machen, welches Beachtung verdient. Es ist dies das von Herrn Oberrabbiner Dr. M. Kayserling im Verlage von Hermann Mendelssohn - Leipzig erschienene Buch „Moses Mendelssohn. Sein Leben und Wirken" gr. 8°, X und 548 S., geh. Mark 6.—, geb. Mark 8.—. Der „kleine" Mendelssohn hat „Großes" geleistet. Wir besitzen zwar mehrere Charakteristiken über den jüdischen Sokrates und wenn man gerade nicht wenig aus dem Leben dieses idealen Philosophen weiß» kommt doch dem Kayserling'schen Buche kein einziges gleich. Dieses in zweiter Auflage mit authentischen Illustrationen und einem Facsimilie sehr eingehend bearbeitete Buch, überragt alle bis jetzt erschienenen Biographieen M's. Es versetzt den Leser in höhere Regionen, er wird mit Mendelssohn bekannt, mit seiner Philosophie vertraut und denkt sich ganz an seiner Seite. Das von Dr. Kayserling gelieferte Bild ist ein trefflich gelungenes. Die Darstellung ist auch keine übertriebene, wenn man die Leistungen des Philosophen kennt und es vor Augen hat, wer Mendelssohn war. Welche umfangreiche unermüdliche Arbeit und ausgebreitete Belesenheit es erfordert, Mendelssohn in seinen Anfängen, seiner Entwickelung und hoher Bildung, seinen Beziehungen zu Lessing, Nicolai u. v. A. zu beschreiben, welches riesige Material zu einer solchen großen Aufgabe nötig war, dies alles können nur Fachleute recht beurteilen, welche sich in Mendelssohn vertieft und seine Werke fleißig studiert haben. Dr. Kayserling ist all' dies Große auszuführen, vortrefflich gelungen. Sein Unternehmen ist vollbracht, Mendelssohn durch dieses Opus gewürdigt und geehrt. Dr. Kayserling ist Meister seines Materials und Mendelssohn — eine Zierde des Judentuins — sein Wirken und Leisten in fesselnder Sprache geschildert. Was in diesem Werke auffällt ist, daß Kayserling von den fanatischen Gegnern Mendelssohn's nur wenig spricht. Bekanntlich hat Mendelssohn zu Maimonides „Miloth Hahegojon" einen Commentar verfaßt. Wie sehr der Fanatismus seine Werke geißelt, geht aus Resp. „Dibre Chajes", Th. H (Lemberg 1875) pg. 20b hervor. Stanislau, Juli 1902. Herman Kahan.

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