Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 22 (1902)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1902)
- Date
- 1902-07-01
- Page
- Seite 187 (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
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167 selbst und ihres Kirchhofes nicht zu nahe getreten werde." Nachdem noch von verschiedenen anderen Freiheiten die Rede ist, heißt es zum Schluß: „Und da die Juden selbst bei dergleichen Freiheiten zu schützen sind, so haben Wir befohlen, daß diese Freiheiten in gegenwärtige Steine eingegraben und zum ewigen Gedächtnis öffentlich und Jedem zur Schau eingemauert werden sollen. Also geschehen im Jahre des Herrn 1266." — Die französische Akademie des Inseriptions et Belleslettres hat dem Studienrat an der Hochschule, Rabbiner Israel Lswy, den Preis von 500 Francs für die von ihm herausgegebene, neuentdeckte hebräische Handschrift des Buches „Koheleth“ mit der französischen Uebersetzung, zuerkannt Weferate und Mitteilungen. Die jüngst erschienenen Preßerzeugnisse enthalten viele interessante und nützliche Publikationen, welche die Gesamtlitteratur bereichern und die rastlose Thätigkeit der Schriftsteller und Forscher bekunden. Zu diesen Novitäten gehört auch das unlängst erschienene ausgezeichnete Buch „Ernst Kenan." Ein Lebensbild von Eduard Platzhoff bei Hermann Seemann Nachfolger in Leipzig (gr. 8°, XIII und 201 S. Mk. 3.60). Renan ist keine berühmte Person Israels, kein Rabbiner und kein jüdischer Autor, sondern der Verfasser des berühmten Werkes „Histoire du peuple d’Isräel", der Autor des weit bekannten Buches „La vie de Jesus", der am 27. Februar 1823 zu Tröguier geboren wurde. Renan hat das jüdische Wissensgebiet seinem>sonstigen Studium stets vorgezogen und es soweit gebracht, daß er als Fachgelehrter in der jüdischen Wissenschaft anerkannt wurde. Vorliegendes Werk ist keine trockene Lebensgeschichte Renan's, sondern eine streng kritische Studie, welche Renan als Historiker, als Philosoph, als Politiker und Dramatiker historisch und mit seltener Begabung trefflich schildert. „So ist Renan" heißt es z. B. Seite 39 „der Maler unter den Historikern; an Farbenpracht und Stimmungsgehalt suchen seine Landschaftsschilderungen Palästinas ihres Gleichen". Und Seite 41 ruft Platzhoff aus: „Man erzählt von einem Maler, der, wenn er den Pinsel ergriff, immer und immer wieder die Züge seiner ungetreuen Geliebten auf die Leinwand bringen mußte, was er auch sonst sich vornahm. Renan war dieser Maler, und die Züge, von deren Gestaltung er nicht lassen konnte, waren seine eigenen." Als Platzhoff in Renan den Mann der Oeffentlichkeit und den Dramatiker bespricht, giebt er folgendes interressante Urteil über ihn: „Gab es einen Künstler unter den Philosophen, nun, so heißt er Friedrich Nietzsche; Ernst Renan aber ist ihr Virtuose. Er schuf nicht, aber er bildete nach; in andern lebend, gab er sie wieder, lieh ihnen Stimme und spielte die