Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 22 (1902)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1902)
- Date
- 1902-07-01
- Page
- Seite 177 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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177 Unsterblich, wird dir nie ein Grab, Wie Mosen keins die Erde gab, Der mit dem wundervollen Stab Dein Volk geführt hat aus Mizraim. Noch ziehen deines Geistes Gebete, O Königin des Zerdernthrons, Empor gleich Adlern Libanons! Ein Dichter sang es, kein Prophete: „Die Taube hat ihr Nest, der Fuchs die Kluft, Der Mensch die Heimat, Juda nur die Gruft." Du bleibst der grüne Strauch voll Duft, Wenn ihn die Flammen auch umwehten. Und wenn in Zeiten, die verschollen, Der Holzstoß flammend dich umloht, Da sangen sie dich in den Tod Mit Psalmenklang, die Mitleidvollen! O, schön're Rache ward dir nie: Der Psalmen heilige Melodie, Von deinem Dichter borgen sie Die Hymne, wenn sie beten wollen. Die Sänger aller Völker dichten An deiner ewigen Elegie, In Stein und Farben formen sie Die ewig heiligen Geschichten. Es ist unsterblich nur allein, Wen sanft umfließt der Mythe Schein — Und ist die Gegenwart nicht dein, Es muß sich deine Zukunft lichten. O Volk aus deinen Dornenpfaden! Du hast der Denker bleichen Ruhm, Du hast purpur'nes Märtyrertum, Und einen Bund mit Gottes Gnaden! Zerstreut auf deiner Erde hier, Wir beten ew'ger Gott, zu dir; Gedankenschaaren werden wir, Adonai's heilige Nomaden.