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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1902-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1902) · p. Seite 174

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
22 (1902)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1902)
Date
1902-07-01
Page
Seite 174 (sequence 30)
Language
German
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l Dem Geiste der Zeit entsprechend war der am 28. Oktober gefaßte Ratsbeschluß, der Delinquentin einen oder zwei lutherische Geistliche zur Vorbereitung auf den Tod zuzuschicken, sowie durch diese sie beim Gange zum Blutgerüste begleiten zu lassen. Infolge davon verfügte sich noch am nänilichen Tage der Pfarrer Samm in das Gefängnis; Frommet hörte ihn jedoch nicht an, drehte vielmehr den Stuhl, auf welchem sie saß, um, sodaß sie dem Pfarrer den Rücken zuwendete, und sagte,? sie wolle nichts von ihm wissen, er möge sich nur wieder wegbegebeu. Ebenso machte \ sie es, als am Tage vor der Hinrichtung Pfarrer Lauer zu ihr kam. Auch auf ihrem letzten Gange, auf welchem die genannten zwei Geistlichen neben ihr hergingen, | wies sie, wie diese nachher berichteten, gleich anfangs den geistlichen Zuspruch deri selben „in sehr ungebührlichen Ausdrücken" zurück, weshalb beide auch nachher kein ' Wort mehr zu ihr sprachen. Dagegen hatte Frommet bei der ersten Abweisung des l christlichen Pfarrers gebeten, daß man jüdischen Betweibern gestatte, zu ihr ins Gefängnis zu kommen, und diese Bitte war ihr gewährt worden. Die Hinrichtung fand am 4. Noveniber vormittags statt, und zwar am i Roßmarkt, weil wegen der Bestellung der Felder mit Frucht der gewöhnliche Richtx platz nicht, benutzt werden konnte. Während derselben und schon von morgens 5 Uhr 1 waren die drei Thore der Judengasse mit Soldaten besetzt und keinem Juden der Ausgang aus derselben gestattet. Der Ratsschreiber (später Senator) l)r. Moors hatte mit dem Oberstrichter oder ersten Polizei-Offizianten die Exekution zu leiten. Als beide morgens 6 Uhr zur Delinquentin kamen, fanden sie dieselbe ziemlich gefaßt und mit ihren Betweibern, sowie einem jüdischen sogenannten Gelehrten betend. Der Ratsschreiber ließ diese Leute bis aus ein Betweib, dessen Gegenwart Frommet zu ihrer Beruhigung sich ausbat, abtreten. Hierauf brach der Oberstrichter der Delinquentin den Stab, warf die Stücke ihr zu Füßen und übergab sie dann dem Scharfrichter. Hierauf führte man Frommet in eine andere Stube, wo sie mit den Betweibern ihre Gebete fortsetzte und etwas Essen aufgetragen wurde. Zur bestimmten Stunde schlug der Stöcker die Sturmglocke auf dem Pfarrturm dreimal an, und als derselbe von diesem Turm zurückgekehrt war. begann der Zug zum Blutgerüste. Ehe Frommet denselben antrat, bat sie flehentlich, ihr ein letztes Anliegen nicht abzuschlagen» nachdem man die Erfüllung einer anderen Bitte, daß nämlich wenigstens eine der Betfrauen sie bis zum Schaffst begleiten dürfe, nicht gewährt hatte: der Ratsschreiber möge nämlich doch erlauben, daß nach ihrem Abgänge die Gebetweiber ' und der Gelehrte an die Fenster der Stube treten und, so lange sie ihr Nachsehen ( könnten, für sie beten dürften. Der Ratsschreiber schenkte dieser Bitte Gehör. „Die Vorstellung der ungemeinen Beruhigung" — so spricht er in seinem Berichte sich aus — „und des besonderen Trostes, welcher der Delinquentin hierdurch verschafft wurde, sowie die Erinnerung, daß solches den hohen Gesinnungen eines hochedlen und hochweisen Rates nach ähnlichen Gestattungen dieser Art ganz gemäß sei, bewog mich, keinen Anstand zu nehmen, ihr diese Zusage zu thun, den Betweibern aber,

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