Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 22 (1902)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1902)
- Date
- 1902-04-01
- Page
- Seite 91 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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91 er öfter die Wissenschaft nur dazu mißbraucht, mn einein gehaßten Gegner eine Ohrfeige zu verabreichen. Oder ist es, um für alles aufgezählte nur einen Beweis anzuführen, nicht unwissenschaftlicher, die Wissenschaft gröblich mißbrauchender Dilettantismus, wenn Chamberlain sein Buch mit angeblich aus ägyptischen Denkmälern geschöpften Hethiterschüdeln verunziert, dann auf die „aus lebendiger Erfahrung wohlbekannte" Nase hindeutet und thriumphierend ausruft: „Die sogenannte Judennase ist ein hethitisches Erbstück!" Die Juden sind nämlich der Popanz seiner Weltanschauung; auf sie fällt sein grimmigster Haß; denn sie sind ihm die drohendste Gefahr der Menschheit, vorab des Germanentums. — In des Straßburger Professor Kußmaul's „Jugenderinnerungen eines alten Arztes" findet sich in einer Reihe gehaltvoller Sprüche und Ausführungen nachstehende interessante Notiz: „Mit Wehmut gedenk' ich der' schönen Tage, wo noch die milde Luft kirchlicher Duldsamkeit in der badischen Heimat wehte, und die Gebote der Bergpredigt höher standen als die Dogmen der Konfessionen. In meii»er Erinnerung hebt sich der Glaubensfriede der Väter wohlthuend ab von dem wilden Gezänk und Fanatismus der Gegenwart. Eine Union der evangelischen Bekenntnisse, wie sie damals in Baden und in Preußen durchgeführt wurde, wäre heute nicht ausführbar. Zentrum und Antisemiten waren danials noch unbekannte politische Parteien, an den beiden Hochschulen wurde noch kein Jude grundsätzlich von beu Studentenverbindungen ausgeschlossen, schon der Gedanke konfessioneller, evangelischer oder katholischer Verbindungen wäre dem Hohne der Gesammtheit verfallen gewesen. Mußt Du Gram im Herzen tragen, — Und des Alters schwere Last, — Lade Dir aus jungen Tagen, — Die Erinnerung zil Gast." — Das soeben erschienene IX. Heft (78 Seiten) der „Mitteilungen der Gesellschaft für jüdische Volkskunde in Hamburg" enthält einen Beitrag „Zur Geschichte der jüdischen Vornamen" von M. Landau, eine „Beleuchtung jüdischer Sagen und Bräuche" von K. Köhler, sowie eine grundlegende Arbeit von A. Wolf „Ueber jüdische Kunst und ältere jüdische Künstler". Besondere Beachtung verdient die folgende Anzeige am Schluffe des Heftes: „Seit Jahren ist immer lebhafter der Wunsch rege geworden, für unsere Sammlungen Photographien einzelner für uns wichtiger Gegenstände zu beschaffen, die im Kunsthandel nicht zu erhalten sind. Solche allein für uns Herstellen zu lassen, würde-unsere Mittel überschreiten. Da sich aber, wenn eine größere Anzahl Kopien hergestellt werden, die Kosten auf ein Minimum verringern, bitten wir Interessenten, sich mit uns ins Einvernehmen zu setzen. In Aussicht ge« nommen sind Aufnahmen von bisher unbekannten, künstlerisch hochbedeutsamen Grabsteinen, Volkstypen rc. rc." — In seinen kürzlich erschienenen „Lebenserinnerungen" kommt Ködert von Wohl auch auf Gabriel Rießer zu sprechen, dessen Kollege er in dein Frankfurter Parlament 1848 war. Seine Charakterisierung Rießers ist um so beachtenswerter, als Mvhl im allgemeinen ein scharfer, wenig wohlwollender Beurteiler seiner Nebenmenschen und insbesondere kein Judenfreund