Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 22 (1902)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1902)
- Date
- 1902-04-01
- Page
- Seite 89 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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89 MonaLsschau. Der achte Jahresbericht des Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen in Frankfurt a. W. beschäftigt sich in erster Reihe mit dem stattlichen Neubau des Schwesternhauses neben dem Gemeindehospital. Im Uebrigen wurde tut abgelaufenen Berichtsjahre die Thätigkeit des Vereins in der bisherigen Weise fortgesetzt. Auch im abgelaufenen Jahre hat es keineswegs an Schülerinnenanmeldungen gefehlt; bei den strengen Anforderungen jedoch, die an die Aufzunehmendem gestellt werden, mußten nicht weniger als 21 als nicht tauglich abgewiesen werden. Zwei Schülerinnen, denen infolge ihrer Tüchtigkeit sogar ein Teil des Lehrjahres erlassen werden konnte, wurden in die Zahl der Schwestern ausgenommen, Rahel Spiro aus Prosken und Julie Glaser aus Würzburg. Im Laufe des Jahres schied eine der Schwestern durch Verheiratung aus dem Verbände aus, sodaß die Zahl der Schwestern nunmehr 23 beträgt. Wie im vergangenen Jahre hat sich die Thätigkeit der Schwestern in die Privatpflege geteilt, und die Organisation ist nun so getroffen, daß diejenigen Schwestern, die in Anstalten eine leitende Stellung als Oberin einnehmen, dieselbe dauernd behalten, bis eine Aenderung aus besonderen Gründen notwendig würde. Die in Hamburg beschäftigten Schwestern verbleiben dort regelmäßig ein Jahr und werden dann durch andere abgelöst. Ebenso ist die Armenschwester nur auf ein Jahr erwählt; hingegen verbleiben die in das Israelitische Gemeindehospital berufenen Schwestern in der Regel nur ein halbes Jahr und kehren dann wieder in die Privatpflege zurück. Durch diesen sieten Wechsel zwischen Privat- und Hospitalpflege werden die Schwestern vor Einseitigkeit bewahrt und erhalten durch den Hospitaldienst Gelegenheit zur weiteren Ausbildung. Im ganzen wurden von 16 Schwestern, von denen jedoch ein Teil nur kürzere Zeit in Privatpflege thätig war, 124 Pflegen ohne Unterschied der Konfession, gegen 111 Pflegen des vergangenen Jahres, geleistet. 17 Pflegen — im Vorjahre 13 — waren außerhalb Frankfurts. 109 Pflegen geschahen gegen Bezahlungen in verschiedenen Abstufungen, während 15 Pflegen mit 263 Pflegetagen ganz unentgeltlich geleitet wurden. Die Pflegen wurden ausgeübt unter der Leitung von 52 verschiedenen Aerzten; sie erforderten 2864 Pflegetage — im Vorjahre 2857 — und 283 vollständige Nachwachen — im Vorjahre 268. Die Einnahmen des Vereins betrugen Mk. 24 110.16, die Ausgaben Mk. 17595.33. — In Wiirchurg hielt Herr Zippelin, königl- Kreistierarzt a. D. einen zweistündigen Vortrag über: „Bilder aus dem semitischen Wirtschaftsleben des Altertums." Bon den ersten Anfängen der Ernährung der Menschheit ausgehend, zeigte der Redner, welchen Anteil die Semiten an der Wirtschaft, bezw. der Oekonomie und Viehzucht nahmen. Von der Jagd gingen sie zum Hirten- und Nomadenleben, von da zur Viehzncht und dem Ackerball iiber. Die Israeliten nahmen an beit beiden letzteren Arten hervorragenderl Anteil, neigten aber auch schon im Altertum beut Handel zu