Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 22 (1902)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1902)
- Date
- 1902-02-01
- Page
- Seite 48 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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48 Anwesenden verpflichteten sich, alles, was in ihrer Macht liegt, aufzubieten, die Juden in Cuba für das Interesse dieser Organisation zu gewinnen. Es wurde beschlossen, der Gesellschaft den Namen „Bnaj Israel von Cuba" zu geben. Gegenwärtig leben wenige Juden in Cuba, aber die anwesenden Glaubensgenossen hoffen zuversichtlich, daß in wenigen Jahren durch Zuzug anständiger jüdischer Familien ihre Zahl sich vermehren wird. — Der in Jerusalem herrschende Wassermangel ist alljährlich die Ursache vieler Krankheiten, welche das chronische Elend der armen Bevölkerung erhöhen. Das Regenwaffer, welches während des Winters in Cisternen gesammelt wird, ist, zumal diese oft nicht rein gehalten werden, im Sommer übelriechend und der Gesundheit schädlich. Es ist daher mit Freuden zu begrüßen, daß die Regierung, durch den außergewöhnlichen Regenmangel im verflossenen Winter dazu veranlaßt, sich endlich entschlossen hat, eine Wasserleitung anznlegen, welche die heilige Stadt wenigstens zum Teil mit gesundem Wasser versorgen wird. Dasselbe soll von der Quelle „Ln Schiloah“ hergeleitet werden, die, zwei Stunden von Jerusalem entfernt, an der nach Hebron führenden Straße liegt. Die Quelle, zu der man auf Stufen hinabsteigt, ist turmartig überbaut und nach alter Sitte abgeschlossen, etwa 200 Schritte westlich von einem alten Castell, dessen Entstehung in die Zeit der Kreuzzüge zurückzuführen ist. Hinter diesem Castell liegen in einem nach Osten sich hinziehenden Tale die Salomonischen Teiche, drei große, gemauerte und durch Kanäle miteinander verbundene Wasserbehälter, jeder um einige Meter tiefer liegend als der vorhergehende. Mit Bezug auf Koheleth 6,2: „Ich machte mir Teiche, daraus zu wässern den Wald der grünenden Bäume" läßt sich mit Bestimmtheit annehmen, daß König' Salomo diese Teiche hat anlegen lassen, um so, vereint mit anderen benachbarten Leitungen, Jerusalem mit Wasser zu versehen. In den ersten dieser Teiche mündet durch einen unterirdischen KaUal die genannte Quelle. Von hier soll nun das Wasser durch den alten Aquädukt nach der Stadt geleitet werden. Die auf 5000 türkische Pfund veranschlagten Kosten werden aus einem alten Fond bestritten. Die feierliche Eröffnung der Arbeiten fand am 5. Juli unter zahlreicher Beteiligung der Civil- und Militärbeamten, sowie der muselmänischen Geistlichen statt. Der Hauptakt der Ceremonie bestand nach mohamedanischer Sitte im Schlachten zweier Schafe an dem Ausfluß der Quelle, wodurch das Werk geweiht wurde. Die Leitung soll in einem Monate fertiggestellt werden. Wenn es auch vielleicht etwas länger dauern dürfte, so werden doch die Bewohner Jerusalems in nicht zu ferner Zeit den Genuß reinen, gesunden Wassers haben, wodurch hoffentlich eines der größten Übel der heiligen Stadt beseitigt sein wird. Inhalt: Ueber das Verhältnis des Judentums zum Christentum. — Der fünfte Zionistenkongreß — Ein Rundschreiben des liberalen Vereins für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde in Köln. — Ein Stimmungsbild aus Amerika. — Monatsschau. Verantwortlicher Redakteur und Herausgeber vr. Adolf Brüll; in Kommission für den Buchhandel bei Franz Benjamin Aufsarth; Druck von H. L. Brönner's Druckerei (F. W. Breidenstein), sämtlich in Frankfurt am Main.