Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 21 (1901)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1901)
- Date
- 1901-12-01
- Page
- Seite 286 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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286 Und wenn ihr scheidet, ihr Engel der Weihe, So scheidet zum Frieden! Zum Frieden zieht aus, Ihr Engel der Liebe, ihr Engel der Treue, In meinem dem Sabbath geweihten Haus! — Am Abend (Ascher bidwurau): Dir, Ewiger, Preis! Es dämmert der Abend, die Strahlen verblassen, Du öffnest die Pforten der Sternenwelt, Es erglühen die Lichter des Himmels-Straßen, Du ordnest die Sterne am Himmelszelt. Du bist der Schöpfer der Tage, der Nächte, Die Nacht jagt den Tag, der Tag jagt die Nacht. . . Der Tag und die Nacht, sie sind Deine Knechte, Ewiger Zebaoth! Du hälft treue Wacht. Wie die schäumenden Wellen im Strome gleiten, So kommt es und geht es im ewigen Kreis, Doch Du bist der König der wechselnden Zeiten- Es dämmert der Abend ... Dir, Ewiger, Preis! Der Leser wird schon bemerkt haben, daß Goldschmidt's Übertragungen vor. allen bisherigen sich auch dadurch auszeichnen, daß jedes Stück eine Überschrift erhalten hat. In der Vorrede wird darauf mit besonderem Nachdruck als auf etwas sehr wertvolles hingewiesen, und mit Recht. Durch die Überschrift erscheint jedes Stück als an sich wertvoll, und das Ganze, dessen Teil es bildet, wird durch die erhöhte Bedeutung der einzelnen Teile ungemein gehoben. Erst durch die, übrigens vorzüglich gewählten Überschriften, wird auch der Eindruck, den man gewöhnlich vom Gebetbuch empfängt, zerstört, als ob sich da -lles unzähligemal wiederhole. In der Goldschmidt'schen Bearbeitung bekommt man einen Begriff von der reichen Mannigfaltigkeit unseres Gebetbuches. Es kommt neben dem Gemeinsamen auch die Verschiedenheit und das Eigentümliche der einzelnen Stücke zur Geltung. Am meisten tritt diese Gedankenarbeit in den „Sprüchen der Väter" hervor, wo auch jedes Stück und Stückchen eine charakteristische.Überschrift erhalten hat. Das ist ja freilich eben die Aufgabe des Dichters: während der abstrahierende Philosoph das Gemeinsame der Erscheinungen in's Auge faßt, wendet sich der Dichter liebevoll dem Einzelnen und Besonderen zu, und darum hat das Gebetbuch durch die dichterische' Bearbeitung so viel gewinnen können, weil durch die liebevolle Aufmerksamkeit, die dem Einzelnen und Besondern zugewandt wurde, die ganze Fülle und