Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 21 (1901)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1901)
- Date
- 1901-12-01
- Page
- Seite 280 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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280 Steinmetzmeisters Karl Hegst. — „Die geistige Kultur der semitischen Völker" bildete das Thema eines längeren wissenschaftlichen Vortrags, den der Privatdocent der Theologie an der Universität Erlangen Herr Lic. Justus Köderte in A. Reichardt's Verlagsbuchhandlung erscheinen ließ. Der Verfasser giebt eine eingehende Darstellung der Kultur der Hebräer, Phönizier, Aramäer und Syrer als zusammenhängende Nationen und resümiert zum Schluß sein Urteil wie folgt: „Alles in Allem genommen läßt sich nicht bestreiten, daß an bleibenden geistigen Gütern die Menschheit dem kleinen israelitisch-jüdischen Volke weit mehr verdankt, als der so gänzenden, aber rasch entschwundenen Kultur der Araber. Ohne daß wir uns dessen bewußt sind, und trotzdem, daß Viele es nicht zugestehen wollen, sind wir mit tausend und abertausend Fäden an die Geistesarbeit auch der semitischen Völker, vor Allem aber an die jenes erstgenanten Volkes gebunden." — Herr Salomon Levy schreibt uns: „Daß die Wohlthätigkeit der Juden bereits im Altertum anerkannt wurde, geht aus folgendem hervor: Vor mit liegt ein Buch: G. Negri,»I-'Impoiator6 Giuliane l’Apostata. Milano Hoepli 1901. Unter den neueren Werken über das Leben Julianus Apostata nimmt das vorliegende vor allem durch seine streng durchgeführte Objektivität einen vornehmen Rang ein. Was es vor allem hervorhebt, das ist die Anerkennung (des vom Christentum abgefallenen Kaisers) des Wohlthätigkeitssinnes der Juden. Negri sagt unter Anderem: Julianus bediente sich mancherlei Anleihen bei dem ihm so verhaßten Christentum, namentlich auf dem Gebiete der sozialen Fürsorge für die Armen, ein Gebiet, auf welchem die Galiläer (also die Juden!) wie er wohl ein sah, das hierfür indifferente Heidentum längst überholt hatten. — Aus China zurückgekehrt ist der in Sa»; ansäßige Herr Norbert Grünfrlder aus Bayreuth in Bayern. Als Soldat hat er den Krieg im deutschen Heere mitgemacht, wurde in der Schlacht verwundet und ist nach erfolgter Genesung wohlbehalten zurückgekehrt. Seine Eltern haben aus diesem Anlasse für den Tempel eine» kostbaren Vorhang gespendet, der junge Mann wurde zur Thora gerufen, sprach ein Dankgebet für seine Errettung und wurde von sämmtlichen Gemeindemitgliedcrn herzlichst beglückwünscht. — Eine ungarische Übersetzung von Schillers Gedichten bereitet der Sektionschef im auswärtigen Ministerium zu Hndapest, Baron Ludwig Doc;y, dessen Leistungen sowohl in Ungarn wie in Deutschland vollste Anerkennung gefunden haben, für Weihnachten vor. Der größte Teil ist schon fertiggestellt und erregt hei Kennern die höchste Bewunderung. — Am 1. September ist in Miskolc; die nene Synagoge und die neue Elementarschule der jüdischen Gemeinde eingeweiht worden. Zu der Schulfeier hatte sich auch der reformierte Bischof Herr Bartholomäus Kun eingefunden. — Im großen Saale der Produktenbörse in Prag hielt Herr Dr. M. Lupesro, gew. Rechtsanwalt in Paris, vor einer zwar kleinen, aber intelligenten Gemeinde einen Vortrag: „Das Heil des leidenden Judentums", in welchem er für seine ihm ureigene Idee des Projektes einer zu begründenden jüdischen Ackerbau-Kolonie mit