Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 21 (1901)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1901)
- Date
- 1901-05-01
- Page
- Seite 120 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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120 in Nürnberg hatte. Er hatte seinen radicalen Standpunkt auf religiösem Gebiete nicht blos theoretisch vertreten, sondern auch praktisch bethätigt und hatte die Mehr« zahl der Gemeindemitglieder für sich. Die Gegenpartei gab damals das Wort aus „der Kutscher muß nüchtern bleiben, die im Wagen sitzen, mögen betrunken fein." Stein von seinen Freunden veranlaßt erließ ein „Offenes Sendschreiben gerichtet an diejenigen verehrlichen Mitglieder der israelitischen Gemeindeverwaltung zu Nürnberg, welche denselben zur Berufung für die dortige Rabbiner- und Predigerstelle in Vorschlag gebracht haben" (November 1872). Er hebt darin hervor, daß er auf biblisch-mosaischem Standpunkte stehe, er polemisiert gegen die starre Orthodoxie, die keine Zukunft habe Eine Petition für Stein zählte 180 eine gegen ihn 149 Unterschriften. Am 28. Mai 1872 fand die Rabbinerwahl statt, bei welcher Herr vr. Lewin, gegenwärtig Prediger der jüdischen Reformgemeinde in Berlin, 12 und Stein 7 Stimmen erhielt. Herr vr. Levin traf am 2. September 1872 in Nürnberg an und weihte am 8. September 1874 die herrliche neue Synagoge ein. Von Bedeutung war die Rede des Bürgermeisters Freiherrn von Stromer, zumal einer seiner Vorfahren, Ulrich Stromer, die Juden in Nürnberg, wie er selbst hervorhob, mit Feuer und Schwert verfolgte. Ulrich Stromer hat als Abgesandter des Rates der Stadt Nürnberg vom Kaiser Karl IV. durch seine Vorstellungen die Ausfertigung einer Urkunde (Prag, 16. November 1349) erwirkt, die Judenhäuser niederreißen zu dürfen, infolge dessen am 5 Dez. 1349 an 570 Juden erschlagen wurden. Gegenwärtig fungiert der Verfasser der Schrift, Herr vr. B. Ziemlich als Rabbiner in Nürnberg, der am Schlüsse seine aus Anlaß des 2b jährigen Bestehens der Synagoge gehaltene Rede zum Abdruck bringt. — Herr Samuel Meisels in Tarnopol hat unter dem Titel „Der Friedensgedanke im Judentum" eine recht zeitgemäße und lesenswerte Schrift veröffentlicht. Angeregt von dem Abrüstungsmanifest des Zaren bespricht er den Friedensgedanken im Judentum, wie er vorerst das häusliche dann das nationale Leben erfüllt um sich zum allgemeinen messianischen Weltfrieden zu erheben an der Hand der hierüber vorhandenen Stellen in der Bibel und rabbinischen Litteratur. Die Wärme und Begeisterung, mit der der Verfasser für diese Ideen eintritt, erhöht den Wert der Schrift. Inhalt: Rasse und Religion. — Ansichten eines greisen Zionisten über das Gesetzesjudentum. — Leopold Löw und seine Freunde. — Bortrag von Prof. d. Theol. Dr. Hermann L. Strack. (Schluß). — Josephus, der jüdische Historiker. (Schluß). — Leidensbrief in drei Teilen. (Fortsetzung). — Aus Sonnenthals Jugendjahren. — Monatsschau. # — Referate und Mitteilungen. Berantwortlicher Redakteur und Herausgeber vr. Adolf Brüll; in Kommission für den Buchhandel bei Franz Benjamin Auffarth; Druck und Inserat-Annahme: H. L. Brönner's Druckerei (F. W. Breidenstein), sämtlich in Frankfurt am Main.