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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1901-04-01 · Heft 4 (1.4.1901) · p. Seite 96

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
21 (1901)
Issue
Heft 4 (1.4.1901)
Date
1901-04-01
Page
Seite 96 (sequence 24)
Language
German
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96 gestehen, was er beibringt, ist oft geradezu verblüffend, selbst wenn man nicht zustimmt. Um einige Beispiele aufzuführen: Kalypso (-die bergende Frau) vergleicht er mit Rahab, und die Schilderung der Örtlichkeit auf Ogygia mit den geographischen Angaben über Alt-Jericho. Den Namen Ogygia bringt er mit Gilgal bei Jericho zusammen. Die „einsame Nymphe" aber ist das abgesonderte Israel, und der feierliche Eid. den sie dem Odysseus schwören muß, ist zu vergleichen mit dem Eide, den sich Rahab schwören läßt. Natürlich verschiebt der Dichter die Sachlage, aber die Einzelzüge bleiben. Der „geistesstarke" Alkinoos, der Sohn des männerreihendurchbrechenden Rhexenor ist Salomo, der Sohn des. David; das Volk der Phaiaken sind die Phoeniker und die mit ihnen verquickten Israeliten; Scheria, das Land der Phaiaken ist Syrien; ihre Absonderung und ihr bevorzugtes Verhältnis zu den Göttern weist auf die Israeliten. So liegt der Phäakensage des Dichters das offene Geständnis der Vorzeit zu Grunde, daß Israel unter Salomo im Auslande für das gottbegnadetste, glücklichste, froheste und reichste Volk der Welt gegolten. Von der zarten Anmut des Hohen Liedes aber hat die homerische Schilderung Nausikaas einen Hauch verspürt. Jthaka ist Sichem, Kerkyra — Tyrus, Zakyathos — Sokkoth. Alles das wird, wie schon gesagt, oft in verblüffender Weise wahrscheinlich gemacht und kann nur wirken, wenn man den Verfasser selbst hört. Aber er sagt selbst: „Wohl bin ich mir voll und ganz bewußt, daß für eine solche Auffassung unseres Dichters noch nicht die Fußbreite Bodens erstritten ist; doch keine Kritik wird mir die felsenfeste Überzeugung untergraben, daß meinen Ideen, deren Entwickelung die Geschlechter der Gegenwart für hinreichend wissenschaftlich nicht zu erachten vermögen, eine verurteilsfteiere Zukunft sich geneigt erweisen wird." Der Verfasser ist also darauf gefaßt, Widerspruch zu finden, und er wird ihn finden. Daß dem Dichter Homer historische Begebenheiten als Vorbild gedient haben, kann mit Grund nicht bezweifelt werden, und daß diese Begebenheiten der altisraelitischen Geschichte angehört haben, ist ja auch nicht unmöglich. Jedenfalls darf man gespannt sein auf die neuen Untersuchungen, zu denen Prof. Schreiners Forschungen Veranlassung geben werden. K. Inhalt: Das Lied vom Weinberge. — Die Diätetik der Talmudisten im Lichte der modemen Medizin. — Bortrag von Prof. d. Theol. D. Dr. Hermann L. Strack. — Monatsschau. — Referate und Mitteilungen. Berantwortlicher Redakteur und Herausgeber Dr. Adolf Brüll; in Kommission für den Buchhandel bei Franz Benjamin Auffarth; Druck und Inserat-Annahme: H. L. Brönner's Druckerei (F. W. Breidenstein), sänitlich in Frankfurt am Main.

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