Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 21 (1901)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1901)
- Date
- 1901-02-01
- Page
- Seite 48 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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48 kabbalistische Auslegung gefunden. Die erste Ausgabe wurde in Venedig 1598 nach einer Handschrift aus dem Jahre 1186 veranstaltet. Um 113 Jahre älter ist die dem VII. Jahresberichte angeschlosfene Edition, welche Herr Lektor M. Friedmann im Vatikan (Codex Nr. 31) copieren ließ und der Leserwelt zugänglich gemacht hat. Das Werk ist eingeteilt in Seder Eliahn rabbah und Suta, in den größeren und kleineren Teil der Midrasch-Sammlungen, die in Bezug auf Sittenweisheit und Sittenwahrheit vom sel. Dr. Zunz in den gottesdienstlichen Vorträgen (C. 7, p. 119) in hohem Gerade gewürdigt worden sind. Die Eigenart dieser Midraschim besteht meiner Meinung nach darin, daß sie ihre Lehren in das Gewand des Gleichnisses hüllen (S. 171), Parallelen aus agadischen Midraschim bieten (S. 179), von denen sie mehr oder weniger abweichen (S. 153). Die Methode der Schriftauslegung beruht teils auf freier Reflexion, welche sich auf das Schriftwort stützt (S. 103) teils in Sittenlehren, welche aus der Schrift hergeleitet werden (S. 177) und in Sittensprüchen wurzeln (S. 197). — Auch in symbolisch, allegorischen Auslegungen ist die Midraschsammlung reich (S. 196), deren Gleichnisrede oft in humoristischen Wendungen ausklingt (S. 99). — In der kabbalistischen Auslegung kommt das Nutrikon*) wirksam zur Anwendung (S. 130). Ethische Gesichtspunkte werden in einer Exegese beleuchtet, die auch mit Worspielen operirt (S. 178). — Nach der Form des Midrasch (vornehmlich des Jalkut Schim'oni) knüpfen die Gleichnisse am liebsten an Leben und Schicksal eines Königs an (S. 148). offenbar, weil die Ehrfurcht vor dem gekrönten Staatsoberhaupte in der israel. Glaubensgemeinschaft stets heilig war (Spr. Salam. 24, 21). — Nicht nur Bibelstellen, sondern auch anderere Losungsworte bilden die Ausgangspunkte der Midraschim (S. 190), welchen durch^einleitende Gebete ein weihevolles Gepräge verliehen wird. — Der gediegene Commentar des Herrn Herausgebers vergleicht die vatikanische mit der venetianischen Handschrift, spürt den Quellen und Parallelen der Midraschim in der talmudisch-rabbinischen Litteratur nach und emendirt die Midraschstellen mit sprachwissenschaftlicher Sorgfalt. Die Stelle (S. 162), zu welchen der Commentar ein Fragezeichen setzt, möchte ich emendieren: »Oobor dschalit, wdober dabar dvarim ejnajim“ und übersetzen: Der darf nicht das Szepter führen, Der nicht handeln kann, nur rühren. Der Herausgeber und Commentator verdient das höchste Lob und volle Anerkennung das geistige Leben der Lehranstalt zu Wien. Dr. S. Nascher. *) Unter Nutrikon versteht man die Verwandlung des Wortes zu einem prosaischen Akrostichon. Inhalt: Der Einklang zwischen Lehre und Leben im Judentume. — Bericht über eine Audienz der Vorsteher der israelitischen Gemeinde in Frankfurt a. M., 1764. — Leopold Löw und seine Freunde. — Ein Christ über die Juden. — Lederherz. — Monatsschau. — Referate und Mitteilungen.__^_ Verantwortlicher Redakteur und Herausgeber Dr. Adolf Brüll; in Kommission für den Buchhandel bei Franz Benjamin Auffarth; Druck und Inserat-Annahme: H. L. Brönner's Druckerei (F. W. Breidenstein), sämtlich in Frankfurt am Main.