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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1900-12-01 · Heft 12 (1.12.1900) · p. Seite 266

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
20 (1900)
Issue
Heft 12 (1.12.1900)
Date
1900-12-01
Page
Seite 266 (sequence 2)
Language
German
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266 namentlich seinen Gebräuchen, weiß; eine wirkliche Kenntnis des Judentums aber, seines Wesens, namentlich seiner Ethik, Apologetik, ja selbst auch nur seiner Geschichte ermangelt ihm. Diese eine Fülle von Ungenauigkeiten und Unklarheiten erzeugende Unkenntnis aber ist es, die seinen Bertrachtnngen die Grundlage nimmt und deren Resultat demnach als durchaus verfehlt erscheinen lassen muß. I. Benedictus Levita gehört nicht zu denjenigen Juden, die, jedes religiösen Gefühles bar, den Positivismus überwunden, ihr Judentum somit aufgegeben haben. Im Gegenteil: er hat entschiedene, religiöse Bedürfnisse; er erkennt auch das wesentliche — ich sage mit ihm das einzige — Dogma des Judentums vom einig-einzigen Gott freudig an. Der jüdische Gottesbegriff scheint ihm so sehr als der allein richtige im Gegensatz zu dem christlichen, der ihm mit dem reinen Gottesbegriff des Judentums unvereinbar dünkt und ihn in seiner Unbegreiflichkeit abstößt, daß er hierüber sagt: „Es ist nicht auszudenken, wie sehr die Lehre vom „Gottmenschen unserem Empfinden zuwider ist. Mau sagt uns zwar: er ist ja „wahr- „haftiger Mensch". Aber doch auch „wahrhaftiger Gott". Hierüber hilft uns kein „Drehen und Deuteln. In diesem Punkte sind und bleibe» wir Stockjuden. Ein „Wesen Gott gleich zu setzen, es sei nun, wie es sei, ist uns ein Greuel. Schon „deshalb, weil er ein Jude war, kann Jesus sich nicht als Gottes Sohn bezeichnet „haben; und hätte er es gethan: kein einziger Jude wäre ihm gefolgt. Den Glauben „an einen einzigen körperlosen bildlosen Gott lassen wir uns nicht rauben und auch „nicht trüben; für diesen Glauben haben unsere Väter ihr Blut in Strömen ver- „gossen; und zwänge man uns heute, vor dem Kreuz niederzuknieen, man würde „Gleiches erleben." Ja, Benedictus Levita hält die Kluft zwischen dem jüdischen und dem christlichen Gottesbegriff für so groß, daß er denjenigen Inden, der sie mit Bewußtsein überspringt, einen charakterlosen Lumpen nennt. Doch das Dogma ist, wie Levita richtig bemerkt, nur eines der wesenlichen Elemente einer Religion; zn denselben gehören auch noch ihr sittliches Ideal und ihre Erinnerungen; in diesen beiden aber erscheint ihm die Religion des Christentums der jüdischen Religion gegenüber weit überlegen: in den religiösen Erinnerungen des Judentums überwiege im Gegensatz zu denjenigen des Christentums das Nationale zu sehr das Religiöse; und das sittliche Ideal des Judentums habe erst durch das Christentum eine Vertiefung und Verschärfung erfahren- Das sittliche Ideal des Judentums, es hat seinen vollendetsten Ausdruck in dem Satze der Schrift gefunden: „Heilig sollt ihr sein, denn heilig bin ich der Ewige, Euer Gott!" Die sittliche Forderung, die das Judentum an seine Bekenner stellt, geht demnach dahin, Gott uachzustreben: wie Gott, der Vater aller Menschen, gütig, gerecht, barmherzig gegen alle seine Geschöpfe ist, so sollst Du, o Mensch, es auch sein. „Du sollst Deinen Nächsten lieben, wie Dich selbst", „Ihr sollt den Fremdling lieben," das sind Worte, Die nicht erst das Christentum gelehrt, sondern

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