Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 20 (1900)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1900)
- Date
- 1900-11-01
- Page
- Seite 263 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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beschäftigen den Geist des Verfassers, weshalb denn auch dieses Buch allen israesitischen Charakters entkleidet und in seinen Gedanken ganz allgemein menschlich ist. Hiob erscheint als freie Bearbeitung eines in der Volkssage Vorgefundenen Stoffes. Schon der Talmud hält Hiob für eine Dichtung, indem er sagt, es gab keinen wirklichen, lebendigen Hiob. Ebenso wollen die Kirchenväter Theodor von Mopsneste und Junilins im Buche Hiob eine alte Sage erkennen, die der Verfasser aufgegriffen, um seine warmen aus dem Herzen kommenden Empfindungen daran zu knüpfen. So hätten wir denn über den Ursprung und die Heimat des Buches Hiob einige Anhaltspunkte gewonnen. An den Vorwurf Nimrods, den er der Jstar gemacht, daß sie dem Löwen, den sie lieb hatte, die Zähne ausbrach, klingt die Stelle in Hiob (IV, 10. II.) an, wo es lautet: „Gebrüll des Löwen und Schrei des Leoparden und das Gebiß des Jungleuen wurde zerschmettert. Der Leu irrt umher aus Mangel an Nahrung und die Jungen des Löwen werden versprengt." Im Epos ruft Jstar ans: „Ich steige hinab zum Hause der Finsternis — zu dem Hause das einen Eingang ohne Ausgang — Nach der Straße auf der niemand kann umwenden — der Heimat von Finsternis und Hunger. Wo Staub die Nahrung ist und Speise — Luft nimmer geschaut wird, in Finsternis Alles weilet." Man vergleiche hierzu die Schilderung der Hölle bei Hiob (VII, 9. 10) „die Wolke vergeht und schwindet — so wer in der Scheol sinkt kommt nicht herauf — nicht kehrt er mehr in sein Haus zurück." Im Epos wird uns ferner erzählt Jstar zieht aus der Hölle und an jedem der sieben Thore erhält sie den früher geraubten Schmuck zurück. Nachdem nun Jstar's Versuche, trotzdem sie den Himmel und die Hölle gestürmt, vergebens waren, und sie an Ninirod keine Rache nehmen konnte wird sie von Anatu gerächt, welcher Nimrod mit einem Aussatze heimsucht. Das Leiden des Helden durch den Aussatz >vird aber noch verdoppelt durch die Trauer, in welche ihn der gewaltsame Tod seines Freundes Heabani versetzt. Ganz so läßt der Dichter Hiob von einem Aussatze behaftet werden und verdoppelt seine Trauer noch durch den gewaltsamen Tod seiner nächsten Verwandten. Es unterliegt fast keinem Zweifel, daß Hiob sich an den Sagenstoff der „Höllenfahrt der Jstar" anlehnt, wenn auch der Dichter, Hiob, die Leiden Nimrods tragen läßt. Es ist noch bemerkensivert, daß Hiob nur noch im Propheten Ezechiel (14. 14 16. 20.) neben Noah und dem zeitgenössischen Daniel erwähnt wird, ivobei noch zu beachten, daß Heabani ebenso wie die dem Noah entsprechende Figur Hisusthros in der Höllenfahrt der Jstar im Sagenkreise der Babylonier vorhanden war und als Muster der Gerechten den Juden in Babylon, wo diese Sagengestalten lebendig waren, aufgestellt werden konnte." Wir haben hier die Hiobfrage nur angeregt und es soll uns freuen, wenn von berufener Seite die Vergleichung des Buches Hiob mit der Höllenfahrt der Jstar in der der Seher Heabani eine Rolle spielt, weiter ausgeführt werden sollte. — über das Buch: Freudenthal, War. Aus der Heimat Mendelssohns. Moses Benjamin Wulff und seine Familie, die Nachkommen des Moses