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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1900-11-01 · Heft 11 (1.11.1900) · p. Seite 262

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
20 (1900)
Issue
Heft 11 (1.11.1900)
Date
1900-11-01
Page
Seite 262 (sequence 24)
Language
German
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262 (21. Dezember 1899) aus dem hier folgende Stelle hervorgehoben zu werden verdienen, weil sie als charakteristisch noch nicht genugsam betont wurde: Zwei Seelen wohnten in seiner Brust. Die eine drängte ihn, allen Erscheinungen des Lebens, allen Problemen der Wissenschaft »nd der Philosophie nachzngehen und sich Einblick in alle Zweige der Kunst und der Litteratur zu verschaffen; sein Interesse war stets rege und es gab keine neue Erfindung und Entdeckung, der er nicht seine Aufmerksamkeit zugewendet hätte; kein Gebiet lag ihm allzufern, keines blieb ihm verschlossen. Die andere wurzelte in seinem Familiensinne, in seiner Liebe zum Judentum. Sie lehrte ihn an allen Sorgen des täglichen Lebens, welche die jüdische Familie, die jüdische Gemeinde und die jüdische Religionsgenossenschaft bewegen und bedrücken, aufrichtigen Anteil zu nehme» und ihnen ein warmherziges Verständnis entgegenzubringen. Die Universalität Kaufmann's einer- und seine Liebe zum Judentum andererseits wirkten in seiner fein empfindenden Seele in einer ganz eigentümlichen Weise. Er suchte den Gegensatz von Universalität und Judentum nicht verstandesmäßig zu lösen, wie die jüdischen Religionsphilosophen des Mittelalters — ihm war der Gegensatz eine peinliche Empfindung, an der er sein Leben lang zu leiden hatte. Seine Arbeiten bilden gewissermaßen die Lösung, die Katharsis in diesem Seelenkampfe. In der anderen beigegebenen lichtvollen Arbeit „Das älteste Buchdrama in der Weltlitteratur und eine neue Conjectur über die Grundidee und die Entstehungsgeschichte derselben" von Rabbiner Dr. Adolf Schmied! wird Mose, wie schon im Talmud (Baba baba 12) als der Verfasser des Buches Hiob angenommen. Wir wollen hier gelegentlich im Anschlüsse hieran einiges aus einem von uns vor Jahren in Wiesbaden gehaltenen Vortrag über „Die assyrischen Entdeckungen »nd die Bibel" wörtlich mitteilen, in welchem wir auch auf das Epos „die Höllenfahrt der Jstar" zu sprechen kamen: „Etwas länger gestatten sie mir bei dem Seher Heabani zu verweilen, denn ich vermute in demselben den biblischen Hiob, der aus dem Lande „Uz" stammte, welcher Name neben Nimrod, der Hauptperson in der „Höllenfahrt des Jstar", sowie neben Erech und Elam in der Völkertafel erwähnt wird. Gewiß war es, wie dies im Epos auch hervorgehoben wird, dem Nimrod nur durch die glänzendste Versprechung möglich, einen Abkömmling Sems seinem Hause abtrünnig zu machen und für seine Pläne zu gewinnen. Durch den im Epos vorkommenden Sehernamen Heabani scheint der Schlüssel zur Erklärung des Buches Hiob gefunden, denn kein Buch wie dieses sticht so von dem Gesamtcharakter der heiligen Schrift ab. Wie Hiob, so sprich! kein Hebräer des Altertums und die Schriftsammler haben sich gewiß nur durch einzelne erbauliche Sätze und praktische Sprüche, sowie überhaupt durch die philosopisch theologische Färbung, die der fremdländische Sagenstoff unter der Hand des Hebräers angenommen, veranlaßt gesehen, diesem Buche den Charakter der Heiligkeit zuzuerkennen. Hiob ist das einzige Lehrgedicht der altklassich-hebräischen Litteratur in dialogischer Form mit dramatischer Entwicklung mit Prolog und Epilog. Die sittliche Welt und peren Rätsel

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