Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 20 (1900)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1900)
- Date
- 1900-11-01
- Page
- Seite 260 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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260 und quälten, fast allesamt im Schuldbuch der Urenkel jener Ansgepliinderten sind. Und Nemesis ist's ferner, daß unsere „Edelsten der Nation", welche den Juden mit sittlicher Entrüstung vorwerfen, daß sie Wucherer seien, jedoch selber Großkornwucherer geworden sind und den Kornwncher, wie überhaupt den Lebensmittelwucher, in solchem Umfang gewerbsmäßig betreiben, daß Alles, was die Juden insgesamt jemals an Wucher geleistet haben, daneben ein wahres Kinderspiel ist. Apropos Wucher! Wenn den Juden der „Wucher" vorgeworfen wird, dann fällt mir immer auch ein, daß, während mir in meinem Leben oft von Juden Gutes und Freundliches gerhan worden ist. der einzige Wucherer, dem ich je in die Hände gefallen bin und der mir manche angstvolle Stunde bereitet hat, ein guter Christ war, ein protestantischer Mustermensch, der jeden Sonntag zweimal zur Kirche ging". — Bei der Enthüllung des Kaiserdenkmals in Erfurt war auch unser Kaiserpaar zugegen. Ai» Wilhelmsplatz waren die Kriegervereine und die Sanitätskolonne aufgestellt. Unter letzteren befand sich auch ein Israelit Namens Dibo, der durch seine Bravour im deutsch-französischen Kriege das eiserne Kreuz erhalten hat. Beim Abreiten der Front erblickte der Kaiser diesen tapferen alten Krieger und unterhielt sich längere Zeit mit ihm, drückte ihm beim Abschied herzlich die Hand mit dem Wunsche: „Leben Sie ferner wohl, Kamerad." — Die Ausscheidung des Alten Testaments aus dem christlichen Religionsunterricht fordert jetzt die „Staatsbürgerztg.". Schon auf dem vorjährigen Parteitage in Hamburg waren, wie erinnerlich, ähnliche Wünsche unter gröblicher Beschimpfung alttestamentlicher Personen geäußert worden. Die „Staatsbürgerztg." begründet ihre Forderung wie folgt: „Das Alte Testament ist ei» Zuchtmeister auf Christum für die Juden, für Christenkiuder »immermehr Unsere Kinder sollen zu Christen werden, nicht erst zu Juden, deshalb ist es völlig unbegreiflich, wie dem Alte«: Testament so viel Zeit in dem christlichen Religionsunterricht zugemessen werden kann. Für die Theologie hat das Alte Testament gewiß große Bedeutung. Aber die Volksschule treibt nicht Theologie. Der Religionsunterricht soll in den Herzen der Kinder christliche Gesinnung pflanze», christliche Charaktere bilden, soweit der Unterricht überhaupt den Charakter bilden kann. Das ist nur möglich, wenn die Schüler idealen Umgang pflegen mit christlichen Personen. Nicht Abraham, Isaak, Jakob und Joseph, nicht die Richter Israels, nicht Saul, David, Salomo rc. sind solche Personen, deren Thun zur Nacheiferung aureizen soll, sondern vor allem das Leben Jesu und das christlicher Männer und Frauen sind geeignet, christliche Gesinnung zu bilden. Wenn es wahr ist, daß den Kindern nur Ideale geboten werden sollen, wozu traktirt man dann unsere Kinder mit Geschichten wie Kain und Abel, die Sündfluth, Isaaks Opferung, Jakob bei Laban u. s. w.? Die Reihe der alttestamentlichen Geschichten, denen ein erziehlicher Wert vollständig abgeht, ist eine gewaltig große. Und mit solchen Erzählungen belastet der heutige Religionsunterricht die christliche Jugend!" Wir empfehlen der „Staatsbürgerztg."