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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1900-10-01 · Heft 10 (1.10.1900) · p. Seite 238

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
20 (1900)
Issue
Heft 10 (1.10.1900)
Date
1900-10-01
Page
Seite 238 (sequence 24)
Language
German
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238 im vergangenen Jahr auf 491570 Piaster. Für wohlthätige Veranstaltungen ivnrden 94826, für Unterrichtszwecke 47250 Piaster verausgabt. — Unter den nach Ehina abgehenden russischen Soldaten befinden sich ca. 2000 Inden, denen von der Cultnsgeineinde in Moskau eine Thorarolle znm Geschenke gemacht wurde. — Nach offiziellen Feststellungen sind im Monat Juni 6872 Juden in Uciv-Uorlr angekvmmen und 5214 daselbst geblieben; 3542 dieser Einwanderer kamen aus Rußland. — In dem neuesten Adreßbuch von New-Iork findeil sich an 3000 Levis und 5000 Cohns. — Wilhelm Steinitz, der viele Jahre lang als der erste Schachspieler seiner Zeit gegolten hat, ist in Kem-UorK gestorben, nachdem er die letzten Jahre seines Lebens in einer fortwährend zunehmenden geistigen Störung zugebracht hatte und nicht mehr fähig war, in seiner Kunst etwas zu leisten. Er ist 63 Jahre alt geworden. Steinitz war in Prag geboren. Er galt schon als Knabe für den besten Schachspieler seiner Vaterstadt. Im Jahre 1855 kam er nach Wien und begründete daselbst seinen Ruf als ein fast unüberwindlicher Schachkämpfer. Bei der zweiten Londoner Weltausstellung im Jahre 1862 wurde Steinitz vom Wiener Schachklub als dessen Vertreter zu dem Londoner Schachturnier geschickt. Er erregte dort durch sein Spiel das größte Aufsehen und Andersseu, der damals den ersten Preis gewann, erklärte, Steinitz habe die kühnste und schönste Partie des Turniers gespielt. Seitdem wurde dieser in London als „The brillant austrian Champion“ gefeiert. Von da an schritt Steinitz von Sieg zu Sieg und nachdem Andersten gestorben und Zuckertort 1886 von Steinitz besiegt worden war, wurde er als „Champion of tim world“ anerkannt. Erst um die Mitte der 90 er Jahre wurde ich» diese bis dahin nnbestrittene Stellung durch jüngere Meister, namentlich durch Laster, mit Erfolg streitig gemacht. Die mit den Schachkämpfen unausgesetzt verbundenen geistigen Anstrengungen und Aufregungen machten sich endlich bei Steinitz in verhängnisvoller Weise fühlbar. Er ivar, abgesehen von seiner Genialität als Schachmeister, stets ei» Sonderling gewesen, der sich mit Ausnahme seiner Kunst sonst mit nicht viel in der Welt kümmerte. Vor etwa drei oder vier Jahren traten bei ihm die ersten Spuren geistiger Störung auf und er mußte in New-Iork in eine psychiatrische Anstalt gebracht werden, aus der er aber bald wieder entlassen wnrde. Steinitz ging dann nach Moskau, wo er sich plötzlich für Telegraph und Telephon interessierte und eine Art des drathlosen Telephonirens erfunden zu haben glaubte. Trotzdem kam er noch einmal nach Wien und nahm hier an dem Jubiläums-Turnier von 1898 Teil, wobei aber mit Bedauern das Nachlassen seiner Fähigkeiten als Schachspieler erkannt wurde. Von Wien war seine ruhmvolle Laufbahn ausgegangen — hier fand sie einen traurigen Abschluß. Steinitz kehrte »ach New-Iork zurück und bald darauf vernahm man, daß er als unheilbar einer Irrenanstalt übergeben werden mußte, in der er nun gestorben ist.

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