Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 20 (1900)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1900)
- Date
- 1900-10-01
- Page
- Seite 237 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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wir schon an den Bettelstab gebracht sind, wir wenigstens das nackte Leben erhalten. Retten Sie uns, Majestät, aus den Händen dieser Bluthunde. Was haben wir gethan? Nichts, als daß wir in diesem Land geboren wurden- Wir thun Niemanden was zu Leid, wir «vollen nur arbeiten, um im Rahmen des Gesetzes leben zu können- Im Namen der Juden des Bezirks Roman: Der Oberrabbiner der Kultusgemeinde. Eine ähnliche Bittschrift wurde auch dein Ministerpräsidenten Garp überreicht. — In Moskau starb der Künstler I. Lewitan. Er «vurde 1861 in einer kleinen Ortschaft der «vestlichen Grenze (bei Eydkuhnen) geboren. Den ersten Leseunterricht genoß er in der Moskauer Maler- und Bildhauerschule. Aber seine Berühmtheit als einer der besten Landschaftsmaler erlangte Lewitan durch sein Bild die „Abenddämmerung", welches den ersten Preis auf der Ausstellung der Kunstliebhaber errang und das er selbst für die Hungerleidenden im Jahre 1892 schenkte. Seit dieser Zeit galt der Name Lewitan, der bald als Mitglied der Ausstellungsgesellschaft ausgenommen «vurde, als Zierde auf den periodischen Bilderausstellungen. Dann malte er die berühmten Bilder „Wladimirka", „Die einige Ruhe" und noch andere; alle diese Bilder befinden sich in der Tretjakowschen Galerie in Moskau. 1896 ging er nach dem südlichen Frankreich, «voher er einige «vertvolle Bilder zurückbrachte, darunter auch „Korniseh". 1897 wurde Lewitan zum wirklichen Mitgliede der Münchener „Sezession" gewählt; seit dieser Zeit ließ sich Leivitan von anderen Tendenzen in der Kunst leiten und malte das berühinte Bild „Der Herbst", welches sich auch in der Tretjakowschen Galerie befindet. Die Akademie der Künste wählte Leivitan zum Mitgliede und zum Direktor der Abteilung für Landschaftsmalerei. Nicht lange vor seinem Tode wurde er beauftragt, die Leitung des Unterrichtes in der Moskauer Maler- und Bildhauerschule zu übernehmen. Auf der Pariser Weltausstellung befinden sich folgende Bilder des verewigten Lewitan: „Eine Insel im Nowgoroder Gvlivernement", „Der Frühling", und „Der Herbst"; der Künstler erhielt für diese seine Arbeiten von der Ausstellungsjury die große silberne Medaille. Fast die gesammte Moskauer Intelligenz, ein großer Teil des höheren Beamtentunis, darunter der Gouverneur von Moskau nebst Gemahlin, folgten hinter dem Sarge des Verblichenen. Die Grabrede hielt in deutscher Sprache Rabbiner Kahn, dann sprachen der Direktor der Kunstakademie Fürst A. E. Lwow und einige andere Redner. Leivitan wird in der russischen Kunstgeschichte in Ehren fortleben! — In dem Bataillon des in Wilna garnisonierenden Sapent-Regiments, welches am 31. Juli nach Odessa abging, um von da nach China eingeschifft zu werden, befanden sich achtzehn Juden. Am Tage vor ihrer Abreise fand in der großen Synagoge ein Gottesdienst mit Predigt statt. Es wurde hierbei zu Gunsten der jüdischen Soldaten eine Sammlung veranstaltet. — Der erschienene Jahresbericht der jüdischen Gemeinde in Konstantinopel verzeichnet ein Einkommen von 468 309 Piaster, wovon 391789 Piaster von der Gabbela (Fleischsteuer) eingenommen wurden. Die Ausgaben beliefen sich