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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1900-09-01 · Heft 9 (1.9.1900) · p. Seite 216

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
20 (1900)
Issue
Heft 9 (1.9.1900)
Date
1900-09-01
Page
Seite 216 (sequence 24)
Language
German
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berichten, daß es in Spanien noch jetzt Marannen gebe, Leute, die als fromme Katholiken gelten und heimlich die jüdischen Ritualgesetze beobachten, sich überhaupt als Juden fühlen und auch ihre Kinder demgemäß erziehen- In Molno will der betreffende Correspondent einen reichen Kaufmann kennen gelernt haben, der insgeheim die jüdisch religiösen Satzungen mit minutiöser Gewissenhaftigkeit befolge, obgleich er sich öffentlich zum Katholicismns bekenne. Als der Gewährsmann des französischen Blattes sich ihm als Jude vorstellte, habe sich der Maranne ihm als Glaubensgenossen zu erkennen gegeben und ihm erzählt, er enthalte sich in christlicher Gesellschaft von dem Genüsse jeglicher Fleischspeise unter der Ausflucht, daß ihm der Arzt alle Fleischkost untersagt habe. Er beziehe rituell geschlichtetes Fleisch aus Tanger. Ferner berichtet der Correspondent von diesem Marannen, daß er Teffllin und hebräische Bücher im Hause habe und dem Correspondenten erzählt hätte, seine Ahnen seien seit vielen Jahrhunderten heimliche Juden gewesen, und es gebe jetzt noch eine ganze Menge von Marannen im Lande, die gleich ihm noch fürchten, ihr Judentum öffentlich zu bekennen. — In der „Neuzeit" berichtet ein Herr Gustav K.: Ein hochangesehener k. u. k- Marinenarzt erzählte mir bei seiner Ankunft in Pola folgende interessante Episode über seinen Aufenthalt auf der Insel Rhodus. Es war während unserer letzten Fahrt durchs Mittelländische Meer, als wir vor Rhodus ankamen, um dieser Insel einen Besuch abzustatten. Die See war sehr bewegt, unser Kriegsschiff blieb weit draußen, denn an ein Landen war nicht zu denken. Da näherten sich einige junge beherzte Botführer — es. waren ausschließlich Juden — mit ihren Fahrzeugen, nahmen mich und einige Offiziere in dieselben hinein, fuhren mit uns auf eine Sandbank auf, ein Jeder nahm dann seinen Mann auf den Rücken und brachte ihn sicher ans Land. Einige Tage nachher, an einem Samstag wurde mir die Ehre zuteil, unseren Kommandanten in die Stadt begleiten zu dürfen. Wir kamen auch in das Judenviertel, das sich durch besondere Reinlichkeit und Nettigkeit auszeichnete- So wars auch in den einzelnen jüdischen Wohnungen, die wir besuchten. Wir traten in die Synagoge. Kein Geräusch, keine Bewegung störte die Andacht. Der erste Vorsteher führte uns in die vorderste Sitzreihe. Als wir am Schluffe der Andacht das Gotteshaus verließen, reichte mir unser Schiffskommandant die Hand mit den Worten: „Ich beglückwünsche Sie zu solchen Glaubensgenossen." Inhalt: Über religiöse Erziehung. — Josephus der jüdische Historiker. — Louis Reichenberger. — Monatsschau. Verantwortlicher Redakteur und Herausgeber vr. Adolf Brüll; in Kommission für den Buchhandel bei Franz Benjamin Ausfarth; Druck und Inserat-Annahme: H. L. Brönner'S Druckerei (F. W. Breidenstein), sämtlich in Frankfurt am Main.

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