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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1900-08-01 · Heft 8 (1.8.1900) · p. Seite 185

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
20 (1900)
Issue
Heft 8 (1.8.1900)
Date
1900-08-01
Page
Seite 185 (sequence 17)
Language
German
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185 Tendenz — es handelt sich um konfessionelle Fragen — besonders groß. Um so mehr muß man den moralischen und künstlerischen Takt anerkennen, mit welchem der Verfasser seine disficile und heikle Aufgabe gelöst hat. Er hat bei aller Klarheit seiner Stellungnahme und allem nachdrücklichen Ernste in dem Vortrage seiner Überzeugung sich einer fanatischen Einseitigkeit, die den Dichter zum befangenen Parteimann und das Kunstwerk zur Streitschrift erniedrigt, enthalten. 'Vorurteilsfrei verteilt er Licht und Schatten gleichmäßig und dringt immer bis auf's Reinmenschliche; so zeugt das Werk, in dem ethischer Gehalt und literarischer Wert sich die Wage halten, für die Berechtigung seiner Gattung und für die Möglichkeit einer harmonischen Vereinigung von Tendenz und Kunstwerk. Herr Dr. War Uordau äußert sich in einem Briefe über das Buch also: Ich bekenne: ich öffnete „Dr. Gutmann" mit Mißtrauen. Aber als ich zu lesen begonnen hatte, hörte ich nicht auf, bis ich zum letzten Worte gelangt war. Sie haben ein Kunstwerk geschaffen, das zugleich ei» lebendiges Stück Sittengeschichte ist. Ihr Roman ist keine banale Ghettogeschichte. Er hat genaue Orts- und Zeitfarbe. Er ist jüdisches Leben in Österreich-Ungarn und nur dort, im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts und nur dann. Sie haben die Alten und die Jungen, die Aufrechten, die Umkippende» und die Umgekipptcn vortrefflich gesehen. Alle Seiten des jüdischen Wesens sind von Ihnen erfaßt und in kühnem Relief herausgearbeitet: wie viele Strolche von der Gattung Rosenbaum leben in Polen und Österreich-Ungarn! Wie wahr ist der „Philosoph"! Und der Wiener Pfandleiher mit weiblichem Anhang. Und der Vorsteher von Lackenbach! Auch die phantastisch mystische Ecke in jeder richtigen Judenseele ist Ihnen nicht entgangen, und Sie haben sie in dem Domherrn und namentlich in dem gewaltigen Awrom Eisfeld lebendig ausgestattet. Der Tod des alten Werwolfs ist ein großes Stück.Die Tochter Gräfin ... ist vortrefflich. . . . Die aristokratisch verkommene „feine" Jüdin ist mit die kennzeichnendste Gestalt des heutigen Judentums, dessen Verfall ohne dieses schauerliche Weibergezücht nicht zu begreifen ist. Wenn Ihr Roman den Erfolg hat, den ich ihm ivünsche und den er verdient, so muß er das Buch des Jahres werden. — I» Kerlin feierte die altrenommierte jüdische Buchhandlung M. Koppelauer das Fest ihres vierzigjährigen Bestehens. Zu diesem Anlaß ist aus dem Nachlasse des Begründers der Firma ein Werk: Mebo ha-Talmud erschienen, als Erinnerung an Dr. Moritz Poppelauer, der das Geschäft am 10. Mai 1860 begründet hat. — Man berichtet uns (—t): „Me Chicago Israelite" schreibt: Preußen, die hochgepriesene Heimstätte fortgeschrittener Kultur, das Land, wo Kunst, Literatur und Philosophie ihre Triumphe feiern, das Preußen, dessen Bewohner sich einbilden, an Bildung alle andern Menschen zu überragen, dieses gepriesene Land ist auch gleichzeitig eine Ablagerungsstätte von Verleumdungen einfältigster und niedrigster Art. — Das Märchen vom Nitualmord, die verruchteste aller mittelalterlichen Lügen hat seine Auferstehung gefeiert. Antisemiten, Jesuiten und eine in ihrem Innern

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