Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 20 (1900)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1900)
- Date
- 1900-08-01
- Page
- Seite 183 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2969669-2969879-2969888--6076-2975402- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
183 <9 des Nebukadnezar an der Stelle, die heut „El Kasr" heißt. In El Kasr ist die Expedition von Osten nach Westen eingcdrungen. Das Erste, was sie zu thun hatte, war ein Durchbruch der breiten Ringmauer, auf der wirklich, wie Ktesias erzählt, sechs Wagen neben einander umdrehen konnten, denn sie war achtzig Fuß breit. Es ist zum ersten Male gelungen, aus den vielen emaillirten Friesen, die sich hier fanden, zwei der Löwen vollständig zusammenzusetzen, von denen ein Fries die Straße zu beiden Seiten begleitete: einen weißen mit gelber Mähne und einen gelben mit grüner Mähne. In diesem Augenblick ist man dabei, nachdem der umgebende Park durchquert ist, in den Palast selbst einzudringen. Darauf spitzt sich jetzt alles Interesse zu, was man an dieser weltgeschichtlichen Stätte ersten Ranges, hier, wo Cyrns das Edikt Unterzeichnete, das den Inden die Rückkehr in ihr Land erlaubte, hier, wo Alexander starb, finden wird. Wenn man an die Archive denkt und an die Monnmente, die in Ninive und sonst entdeckt worden sind, so darf man auf wichtige Enthüllungen hoffen. Inzwischen ist schon ein interessanter Fund geglückt. Es ist der Lieblingstempel Nebukadnezars ausgegraben worden, der i» den Denkmälern der „Mittelpunkt Babylons" genannt wird, und man hat Lohnabrechnungen für Arbeiter und einen Psalm gefunden, daneben Terakottafiguren der Göttin, die nackt und mit gekreuzten Armen dargestellt ist. Es wird darauf ankommen, die Geschichte Babylons aus den Denkmälern aufzubauen. Die Königsliste giebt ein ausgezeichnetes Fundament, Wichtig ist es, daß man sich hier, gestützt auf gleichzeitige Schriftdenkmäler, in Epochen sicher bewegt, die vor dem Anfang unserer sonstigen Geschichte, vor der Zeit, in die wir Abraham setzen, liegen Unter den Briefen ist auch der eines jungen Herrn, der um Geld angeht, vorhanden. Vieles von babylonischen Vorstellungen und Einrich» " tungen ist allgemeines Kulturgut geworden, wie die Vorstellung von geflügelten Engeln, von Cherubim und Seraphim, die Sechszigteilung der Stunde und der Minute. Und welche Perspektiven öffnen sich für die Bibelforschung wenn man bedenkt, daß schon weit vor dem Jahre 2000 vor Christi Geburt der Gottesname Jahve auf Urkunden vorkommt. Die Wichtigkeit der Resultate, die man erhoffen dürfe, legt den Wunsch nahe, daß diese Forschungen das Interesse aller Gedildeten erregen mögen. Mit einem Appell, dahin zu wirken, schloß der geehrte Redner seine interessanten und dankbar aufgenommenen Ausführungen. — Höchst beachtenswert ist das Urteil des Philosophen Kaut über die Hibel, er schrieb: „Die Bibel ist das Buch, dessen Inhalt selbst von seinem göttlichen Ursprünge zeugt. Es enthält die Geschichte der Welt, die Geschichte der göttlichen Vorsehung von Anfang an durch alle Zeitfolge bis an die große Abänderung aller erschaffenen Dinge, ja, bis in die Ewigkeit hinein Sie einzig erhält die Weltgeschichte in einem gewissen Zusammenhänge, obgleich sie sich in gewissem Verstände mir mit einzelnen Personen, Familien und Völkerschaften abgiebt. Die Bibel ist recht eigentlich zu unserem Behufe eingerichtet, die wir zu Sündern gewordene Geschöpfe sind; sie zeigt uns.