Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 20 (1900)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1900)
- Date
- 1900-07-01
- Page
- Seite 163 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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163 Auch Hom. ereilt am Ende ein Schicksal ähnlich dem des ewige» Juden, er muß als Planet durch das Weltall irren. In dem Epos „Barkochba" von Jaroslav Vichlicky, erscheint Ahasver als der Geist des zur Wanderung verurteilten Israel- Unter den prosaischen Bearbeitungen der Sage möchte ich auf die Rolle Hinweisen, die Ahasver in Hauffs „Memoiren des Satan" spielt. Er erscheint durch seine Reisen in Asien u. s. w. gesellschaftlich verwildert, und benimmt sich in Gesellschaften als der Typus eines Schlemihls. Eugene Sue hat einen Roman „le juif errant“ geschrieben. Die Beziehung des Titelhelden zur Handlung ist eine ganz lose, er erscheint nur, uni den Apparat der Abenteuerlichkeiten, die in diesem Roman eine große Rolle spielen, noch zu verstärken. Auch sind wir gewohnt, Ahasver in Verbindung mit den höchsten Problemen der Menschheit zu sehen, hier ist sein Hauptbestreben darauf gerichtet, den Nachkommen seiner Schwester Segen zu bringen. Im übrigen ist seine Gestalt wirklich praktisch gezeichnet. Man erkennt ihn an den Spuren des Kreuzes, das die Nägel seiner Schuhe bilden. Er erscheint als ein Geist, „der stets das Gute will und stets das Böse schafft." Überall will er Segen stiften, und bringt Fluch, seinen Spuren folgte einst der schwarze Tod, folgt die Cholera Überall tönt ihm das Gewimmer der Sterbeglocken nach. Neben ihm erscheint noch eine ewige Jüdin, es ist Herodias, die Mörderin Johannes des Täufers. Schön ist das Verhältnis der beiden geschildert, sie finden an einander Trost, und jeder weiß, wo im Augenblicke der andere wandert. Beiden ist es schließlich vergönnt, im Romane zu sterben, was sie dann auch mit aller Feierlichkeit tt,un. Freilich kann Ahasver wie die Ahnfrau erst mit dem Tode seiner Verwandten erlöst werden und muß so noch zuletzt Fluch bringen, aber er tröstet sich damit, daß sie als Märtyrer sterben, hier nimmt das Ganze eine schwächliche socialistische Wendung: Wie ihm der Herr bis jetzt keine Ruhe gegönnt, so auch dem Arbeiter sein Herr, jetzt sei die Zeit der Erlösung gekommen. Sehr hübsch ist die Schilderung, wie beide zuerst mit Jubel körperlichen Schmerz, Müdigkeit und Durst empfinden und Zeichen des Alters wahrnehmen. In dem Romanej: „Der Bauernfürst" von Levin Schücking wird Ahasver eingeführt. Unter den lyrischen Bearbeitungen stehen die beiden Gedichte von Lenau obenan. Der ewig leidende, irrende Wanderer paßt so recht in die Stimmung des melancholischen Dichters, wie in dessen ödem Gemüte phantastischmüde und doch schmerzlichschöne Gebilde emporsteigen, so erscheint objectiv die irrende Gestalt plötzlich in einer öden Haide, wo eben eine friedliche Hirtenfamilie den Tod eines Kindes bejammert. Wer aber kommt die Haide hergezogen, Gejagt, so scheint's von drängender Gewalt, Das Haupt von grausen Locken >oild umflogen, Das tief gefurchte Antlitz sah und kalt Es ragt ins Leben ernst und schroff herein