Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 20 (1900)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1900)
- Date
- 1900-06-01
- Page
- Seite 136 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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— 136 — zu engagieren und schon nach 2 Tagen ward von den einzelnen Gemeinde-Mitgliedern die Summe von 2387 Gulden aufgebracht und den Ständen mit der Bitte übergeben, mehr die vaterländische Gesinnung als den- Wert zu achten. Auch die Franzosen unterließen es nicht vor ihrem Abzüge den Juden eine Kontribution von mehreren tausend Gulden aufzuerlegen. Auf ihren Anteil von der vom Kaiser Franz II. dem Orte Hohenems zugesprochenen Kriegsentschädigung leisteten die Juden Verzicht. Wie wenig aber all diese patriotischen Leistungen und schweren Opfer der Juden geeigneten Ortes gewürdigt wurden, erhellt schon daraus, daß die ■ österreichische Regierung im Jahre 1864 kurz vor dem Preßburger Frieden damit; umging, für die israelitische Gemeinde in Hohenems eine Normalzahl festzusetzen! und damit jede Neuansiedlung von Juden unmöglich zu machen.. Die Ausführung verhinderte jedoch der Preßburger Friede und die bald darauf am 13. März 1806 erfolgte Uebergabe Tirols und Vorarlsbergs an Baiern." Ich lasse hier mit Weglassung der ersten bairischen Regierungsperiode direkt das Kriegs fahr 1809 folgen. „Dieses für die Geschichte Oesterreichs im Allgemeinen und insbesondere; für jeden Tiroler und Vorarlberger denkwürdige ruhmesreiche Kriegsjahr gab auch den Juden Gelegenheit, sich neue Verdienste um das Haus Oesterreich zu erwerben. Freilich fand auch nicht ein einziger der zahlreichen Historiographen dieser Kriegsepoche, zu deren jüngsten für Tirol und Vorarlberg der Landeshauptmann von Oberösterreich, Dr. Ebenhoch, gehört, ein Wort der Anerkennung für die Juden. Vorerst sei erwähnt, daß eine Wiener Jüdin, die durch Geist und Herz ausgezeichnete, unvergeßliche Baronin Fanny Arnstein es war, die Hormayr, der bekannte Intendant Erzherzog Johanns im Tiroler Aufstande, selbst als die unermüdliche Wohlthäterin der Tiroler bezeichnet und in deren berühmten Salons auch Speckbacher, der Genosse Hofers, vielfach und gerne verkehrte. Der Tiroler Aufstand ebenso wie seinerzeit die Kreuzzüge begannen mit einer regelrechten Judenplünderung, freilich hatten beide Kriegsunternehmungen keinen bleibenden Erfolg zu verzeichnen. Ferdinand, der Katholische, war vorsichtiger, er vertrieb die Juden erst dann aus Spanien, nachdem er bereits die Mauren besiegt hatte. In Innsbruck wurden die wenigen damals dort wohnenden Juden am 15. April 1809 von dem dort versammelten Landvolke gründlichst ausgeplündert, und zwar fielen demselben fünf Wohnungen und drei Geschäfte zum Opferi Die Beschönigungen und Entschuldigungen, die sich der als der hervorra- . genste Historiker jener Kciegsepoche geltende Gonbernialrat Dr. Joseph Rapp leistete und die in den allerdümmsten Anschuldigungen der Juden bestehen, sind gemeiner Volksklatsch und verdienen weder eine Erwähnung, noch gar eine Widerlegung. Dagegen sei betont, daß den Aufständischen in ihrer stete» Geldnot das Wiener Bankhaus Arnstein und Eskeles mehrfach in uneigennützigster Weise