Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 20 (1900)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1900)
- Date
- 1900-06-01
- Page
- Seite 134 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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134 spanisch vor. Hoffentlich wird jedoch Oesterreich vor dem Schicksale Spaniens, dessen Reich kaniu mehr von dieser Welt ist, bewahrt bleiben. Die Geschichte der Juden in unseren Alpenländern gehört eigentlich znin weitaus größten Teile Vorarlberg und der nahezu drei Jahrhunderte alten Jsraelitengemeinde in Hohenems an doch haben die wenigen auch in Tirol zu allen Zeiten und an verschiedenen Orten unter freilich harten Bedingungen ansässig gewesenen Juden ihre Geschichte, deren Darstellung auf Grund mehrjähriger Forschung in den Landes- und Privatarchiven ich in meiner „Geschichte der Juden in Tirol und Vorarlberg", deren erster Teil gegen Ende dieses Jahres vor die Oeffentlichkeit treten dürfte, biete» werde. Ob die da gebotenen Wahrheiten — und ich biete ausschließlich unanfechtbare Wahrheiten an Hand vorliegender aintlicher Urkunden — nicht doch manchem Leser des „Burggräfler" die Augen öffne» werden, ivird die Zukunft lehren. Zu einem vorläufigen Versuche nach dieser Richtung hin lasse ich hier einen Teil meines in Wien gehaltenen Geschichtsvortrages folgen. „Besonderes Interesse verdient die nun folgende Periode der Franzosenkriege, umsomehr als über die' großartigen patriotischen Leistungen der Juden in jener Epoche bisher noch kein Sterbenswörtchen zur'Veröffentlichung gelangte. Schon der Krieg der ersten Koalition gegen Frankreich legte dem kleinen Ländchen insgesammt und so auch seinen Inden schwere Opfer an Kriegsdarlehen, Durchmärschen und Truppeneinlagerungen auf. Im August des Jahres 1796, nach Napoleons Siegen in Italien, galt es die von Graubündten her erfolgte Invasion der Franzosen in Vorarlberg zu bekämpfen. Wohl kam es damals zu keinem eigentlichen Kampfe, weil das in Bregenz lagernde österreichische Militär unter den Generalen Gräffen und 'Wolff sich infolge höheren Befehles und des Unglücks der österreichi« scheu Waffen zurttckziehen inußte und schließlich der Friede zu Campo formio (do) dem Waffentanze ebenfalls ein Ende bereitete. Aber schon in dieser ersten Periode des französischen Krieges thaten sich die Hohenemser Juden ruhmvoll hervor. Einen Teil der Lieferungen für das k. k. Militär war dem Vorsteher der israelitischen Gemeinde in Hohenems übertragen, Wolf Josef Levi, der in Anerkennung seiner SBÄienfte zum k. k. Hoffaktvr ernannt wurde. Als 1796 die Franzosen Bregenz besetzten, ward eine Deputation Hohenemser Bürger in's französische Hauptquartier geschickt, um Schonung für den Ort zu erwirken. Mitglieder dieser Deputation waren auch 7 Juden und in der hierüber aufgenommenen Urkunde vom 10. August heißt es wörtlich: „Daß in der Gemeinde Alle für Einen und Einer für Alle haften sollen: Jud für Christ und Christ für Jnd." — Bemerkenswert sind die anerkennenden Atteste, die die Hohenemser Juden von den hervorragendsten Kommandanten jener Vorarlberger Kriegsepoche ob ihres lobenswerten Verhaltens erhielten. So bezeugt Ignaz Freiherr von Turtenbach wörtlich, „daß er und seine Kompagnie sämmtlich von dortiger Judenschaft freundlichst ausgenommen, gut und ganz unentgeltlich verpflegt und quartiert worden sind, ja das Wohlwollen und