Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 20 (1900)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1900)
- Date
- 1900-03-01
- Page
- Seite 72 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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7—'».'y«.. " -> - ,tf-r- '-T, .., ';t* h? — ”, ' - j«-«—-.-v ' *, nr^wv, -f- I — 72 — Kayserlings anerkennen, aber paedagogisch war es nicht, daß er sich in seinem Lehrbuche begnügt hat, 6 Proben im ganzen anzuführen. Von dieser neuen Auflage gilt ebenfalls das Wort, das Dr. Jakob Göttingen von den früheren Auflagen bemerkt, daß sie „zu viel Stoff und eine abschreckende Fülle von Namen für die uns verfügbare Unterrichtszeit enthalte." Oder hat der Schüler wirklich etwas davon, wenn Kayserling beispielsweise von Rabbi Chanina b. Chama S. 45 bemerkt: „Was seine Lehrweise betrifft, steht zu ihm in geradem Gegensätze R. Jochanan b. Napcha", wobei Kayserling weder davon spricht, wie die Lehrweise des Ersteren noch die des Letzteren beschaffen war. Abgesehen von dem Hauptfehler, daß Kayserling keine Proben bringt, läßt leider auch die stilistische Darstellung des öfteren zu wünschen übrig. Hierfür einige Beispiele. Auf S- 44 heißt es: „Ihm (K. Jehuda Ha-Nasi) folgte sein Sohn Gamliel, der seinem Vater an Geist und Wissen weit nachstand, von dem (!) der beherzigenswerte Spruch herrührt: „Schön ist die Beschäftigung mit der Lehre u. s. w." Das „von dem" soll sich auf Gamliel beziehen, was aber nicht nur stilistisch hart sondern auch grammatikalisch unrichtig ist. Seite 110 sagt Kayserling von Jsak Abravanel: „Schon in seiner Jugend faßte er sowohl den Plan zu einem umfangreichen Commentar der heiligen Schrift, als er auch (!) mehrere Schriftchen philosophischen und teologischen Inhaltes verfaßte." Dieser Satz ist nicht nur stilistisch hart, sondern auch grammatikalisch falsch. Auch sonst finden sich durch Einschachtelung von mehreren Nebensätzen stilistische Härten. So heißt es Seite 135 f.: „Unter denen, welche bei Wien den Märtyrertod erlitten, befand sich auch die Mutter des Israel Jsserlcin, der, ein Sohn des R. Petachia aus Marburg (Steiermark), neben Jakob Weil, Rabbiner in Nürnberg und Erfurt und Verfasser einer geschätzten Gutachtensammlung (st 1430), als die bedeutendste rabbinische Autorität dieser Zeit galt." Von dem Littauer Salomon Maimon sagt Kayserling S. 195 daß er „durch seinen Scharfsinn und seinen merkwürdigen Lebensgang Bewunderung erregte." Sein Scharfsinn erregte Bewunderung, sein vagabundierendes Leben aber wohl schwerlich. Doch die stilistischen Härten und grammatikalischen Unrichtigkeiten ließen sich verbessern; der Hauptgrund aber, daß sich dieses Werk als Lehrbuch für Schüler nicht eignet, liegt, wie bereits erwähnt darin, daß die Proben, eine condito sine qua non, fehlen; als Handbuch allerdings verdient es, wie bereits erwähnt, die vollste Anerkennung. Brüx. Dr. Adolf Bi ach. Inhalt: Messianische Schwärmerei. — Ludwig Börne. — Haman und Esther. — Ein Hofjude im altpersischen Reiche. — Monatsschau. — Referate und Mitteilungen. Berantwortlicher Redakteur und Herausgeber vr. Adolf Brüll; in Kommission für den Buchhandel bei Franz Benjamin Auffarth; Druck und Inserat-Annahme: H. L Brönner's Druckerei (F. W. Breidenstein), sämtlich in Frankfurt am Main.