Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 20 (1900)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1900)
- Date
- 1900-03-01
- Page
- Seite 59 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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59 — Ä■ KUv -?r w _# / *t>‘'f'* V *' „Was brauchen wir Kuchen, wir hören doch die Musik und hören die Leute lachen," sagte Vater Fischthran. „Mir thut es im Herzen weh, wenn sie lachen," murmelte das arme Mädchen und begann wieder zu weinen, aber ganz leise, damit es ihr alter Vater ■'? nicht höre, denn sehen konnte er es ja nicht, wie sie die kleinen mageren Hände . vor die Augen preßte; aber Haman sah es, Laktef Wilna sah es und eilte auf \\ seinen Stelzen rasch davon. Er war der Sohn wohlhabender Eltern, er hätte können Geld in Esther's Fenster werfen und der Armen wäre geholfen gewesen,;° aber das hätte ihm keine Freude gemacht, er war nur dann zufrieden, wenn er; den Leuten irgend einen Schabernack anthun konnte, und so war er auch jetzt - entschlossen, hier den Armen einen liebenswürdigen und anderswo den Reichen einen ärgerlichen Possen zu spielen. Er ging zuerst zu dem Hause des Holzhändlers Jainkef Jeiteles, lehnte : sich an die Hofmauec und begann von dem jenseits hoch aufgeschichteten Holze ein Scheit nach dem anderen herüberzuziehen und dem unten stehenden Monderisch, seinem Freunde Teitel Silberbach, zuzuwerfen. Dann kehrten sie rasch zu dem Hause, wo Esther wohnte, zurück, Laktef stieg von seinen Stelzen herab und Beide schlichen bis vor Fischthran's Thüre und schichteten das Holz vor derselben auf. Als dies geglückt war, eilte Haman rasch durch die Straßen und blickte in alle Fenster, und richtig, bei Jonathan Schmeikes, dem Kaufmann, hatte» sie auf das Küchenfenster zwei große Schüsseln mit dampfenden Kuchen gestellt, und die Köchin war eben beim Herde beschäftigt und kehrte den Rücken. Schnell chatte sich Hamay der Kuchen bemächtigt und wie mit Siebenmeilenstiefeln ging es wieder zu der kleinen Esther. Jetzt schlich Monderisch mit seinem großen Turbau hinauf, klopfte dreimal laut an die Thüre und entfloh. In dem Augenblick, da Esther . aufstand und öffnete, zog Laktef Wilna schnell die Strümpfe heraus, warf die - Kuchen durch das Loch in der Scheibe hinein, verstopfte dasselbe wieder und versteckte sich dann hinter der Dachrinne. 3 Als Esterka die Thür öffnete, rief sie: „Tate, wir haben Holz, wer hat uns das gebracht!" „Holz?" sprach Tobia staunend, „wer sollte uns Holz bringen? „Es hat doch dreimal an unserer Thür geklopft," fuhr Esther fort, „und wie ich öffnete, liegt das Holz da und was für ein prächtiges Holz! Darf ich das ' nehmen? „Frage nicht lange, mein Kind'" „Aber es ist wie ein Zauber." Sie schichtete das Holz hinter dem Ofen " auf, zerhackte eines der großen Scheite, machte Späne und bald prasselte im Ofen - ein prächtiges Feuer und die kleine Stube erwärmte sich behaglich. Esther trocknete die Thrüne».