Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 20 (1900)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1900)
- Date
- 1900-03-01
- Page
- Seite 51 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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51 Der Feldzug endete mit schrecklichen Gräuelscenen Seitens der Römer. Bon dem Blut der Besiegten, heißt es im Talmud, bildete sich ein großer Fluß, der schwere Felsen mit sich fortgerissen hat. (135) Ein anderer Schwärmer Namens Mose trat zur Zeit Rab Aschi's als Messias auf der Insel Kreta auf. Zu dieser Zeit fand nämlich eine Meinung Verbreitung, der Messias werde im 35ten Jubiläum erscheinen (4200 seit Erschaffung der Welt. 440 d. gewöhnt. Zeit.) In dieser Erwartung erblickte vielleicht der erwähnte Mofe einen Anhaltspunkt seiner Mejsianität. Er verkündete allen Juden dieser Insel, er sei von Gott berufen, nm sein Volk trocknen Fußes durchs Meer nach Palästina zu führen. Viele Juden folgten seinem Ruft und in ihrem blinden Vertrauen zu ihrem Führer stürzten sie sich ins Meer und wurden eine Beute der Wellen. Auch der „Messias" soll ein Opfer seiner Täuschung geworden sein. Infolge dieses schrecklichen Ansganges, fand sich Rab Aschi veranlaßt, die Meinung vom Erscheinen des Messias dahin zu deuten, der Messias könne nämlich vor dieser Zeit sicher nicht erscheinen; nach dieser Zeit aber könne man sich der Hoffnung seiner Ankunft hingeben. Einen verderblichen Einfluß auf einen großen Teil der Juden übte der falsche Messias, Namens Serene, der in Syrien im I. 720 sein Unwesen trieb. Neben seinen messianischen Betrügereien, war sein.Hauptbestreben, das Judentum vom Talmud und dessen Lehren abwendig zu machen. Er schaffte den zweiten Feiertag, die Speisegesetze und verschiedene talmndische Vorschriften ab. Serene's Verkündigung, er wolle den Juden das gelobte Land erobern und die Mohamedaner davon vertreiben, fand auch in Spanien Anklang und viele Juden, deren Lage unerträglich war, verließen Hab und Gut und schlossen sich dem Abenteuerer an. Endlich kam die Stunde der Vergeltung, er wurde gefangen und vor den Khalifen geführt. Dieser stellte an ihn verschiedene Fragen; in seiner Verzweiflung wußte Serene keine andere Antwort zu erteilen, als daß er mit seiner Messianität nur einen Scherz betrieben hätte. Er wurde dann den Juden zur Bestrafung ausgeliefert. Nicht lange nach dieser Bewegung fand sich schon wieder in der persischen Stadt Jspahan ein neuer Schwärmer (750), der viele Juden anzulocken verstand. Dieser hieß Obadia Abu Jsa. Weil er aber nicht dem Hause Davids entstammte, gab er sich nicht als Messias, sondern als dessen Vorläufer aus. Nach dem Muster seines Vorgängers hatte er in der jüdischen Religion viele Abänderungen vorgenommen und gründete die erste Sekte, die Jseriten, im Judentum, die zwei Jahrhunderte ihren Gründer überlebte. In seinem Mut und in seiner Unerschrockenheit unterschied er sich vorteilhaft von seinem Vorgänger, denn während der letztere in seiner Feigheit seine eigene