Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 20 (1900)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1900)
- Date
- 1900-03-01
- Page
- Seite 50 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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~ ~ ~ ' "i' . V C\s; * 1 >■- — 50 — Wenn wir aber dennoch in der Welt unstreitig auch Mängel und Fehler wahrnehmen, die sie zu verunzieren und zu verunstalten scheinen, so sind diese nur Schlacken, die in einer bestimmten Zeit durch die göttliche Hand entfernt werden müssen. Und diese Zeit, in der diese Läuterung vor sich gehen soll und in der das Weltall in seiner alten Glorie ohne Makel und ohne Fehl, wie am Tage der Schöpfung sich zeigen soll, ist die messianische. Dieser beseeligende Glaube, der unstreitig uns vor Untergang bewahrt und uns Trost und Linderung in den schweren Tagen gespendet, war aber leider auch ein Schwert in den Händen mancher Träumer und Schwärmer, denn er, hat nicht selten auch zur Mystifikation Anlaß gegeben. Je größer die Last war unter der Israel schmachtete, desto größer war das Sehnen nach dieser glanzvollen und ungetrübten Zukunft, und desto mehr Träumer fanden sich, die diese Zukunft schon heraugerückt zu sehen glaubten. Unsere Geschichte weiß von solchen Schwärmern sehr viel zu berichten; wir wollen hier nur auf einige uns beschränken. Schon Josephus weiß von einem solchen Schwärmer zu erzählen: Ein gewisser T Heu das, berichtet er, trat 60 nach der gew. Zeitrechnung als Messias auf und sammelte um sich eine große Zahl von Anhängern. Er verhieß ihnen den Jordan zu spalten und sie trocknen Fußes hindurchzuführen. Als sich nun sein Anhang dem Jordan näherte, erreichte sie der römische Feldherr Fadus und tötete den größten Teil von ihnen nebst ihrem Anführer, dem angeblichen Messias. Auch der Untergang des Reiches und die Zerstörung des Tempels zu Jerusalem ist ähnliche» Schwärmern zuzuschreiben; denn der hartnäckige Widerstand des Volkes gegen die Römerherrschaft wurde nur durch falsche 'Propheten unterstützt, die noch in des Reiches letzten Zügen verkündeten, es werde ein Wunder geschehen und aus den Trümmern des alten Reiches werde sich ein neues, viel glanzvolleres erheben. Von den messianischen Schwärmern nach der Tempelzerstörung sind folgende hervorzuheben : Im Jahre 132 trat der aus dem Midrasch und Talmud rühmlichst bekannte Bar Kochba auf und setzte eine ungeheuere Erhebung gegen die Römer in Szene. Viele unterjochte Völker schlossen sich ihm an und folgten der Fahne des Aufruhrs. Die messianische Schwärmerei hatte soweit an Boden gewonnen, daß Bar Kochba sogar bei dem großen Weisen Rabbi Akiba Unterstützung fand. Drei Jahre lang wütete dieser Krieg, in dem die Juden viele Siege erfochten haben. Schon verzweifelte Hadrian an dem glücklichen Ausgang des Kampfes, da fiel plötzlich die starke Festung Bethar, wohin sich Bar Kochba mit seinem großen Heere geworfen hatte, durch Verrat in die Hände der Feinde.