Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 19 (1899)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1899)
- Date
- 1899-12-01
- Page
- Seite 288 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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288 Politische Geschichte, Religionsgeschichte und Li tter aturge schichte Religions- und Litteraturgeschichte fallen zumeist, aber nicht immer zusammen. In einem Lehrbuche der jüdischen Geschichte niuß allen diesen drei Faktoren Rechnung getragen werden, wenn auch gerne zugegeben werden muß, daß auf die Religionsgeschichte das Hauptgewicht zu legen ist. Wenn demnach Jbn Esra und Jehuda Halevi nebst religiösen Liedern auch weltliche geschrieben, so gehören diese ebenfalls in den Rahmen eines Lehrbuches der jüdischen Geschichte, denn der Schüler soll ein genaues Bild haben und erfahren, daß Israel auch an den allgemeinen Bestrebungen Teil genommen. Deshalb verdient auch beispielsweise der jüdische Minnesänger Süßkind von Trimberg Erwähnung, trotzdem er nicht in die jüdische Religionsgeschichte gehört. Eine ausführliche Behandlung hätten verdient: R. Salomo b. Adereth, R'eir von Rothenburg u. a. m. Das 3. Buch „Äusgewählte Schriftstücke aus der jüdischen Litteratur" ist sehr instrnctiv, nur hätten wir noch eine größere Auswahl und Ausführlichkeit gewünscht. Auch glauben wir, es wäre besser gewesen, gleich im Anschlüsse an den Text die Proben zu bringen; dadurch hätte das Büch wahrscheinlich noch einen andern Vorzug erhalten. Der Verfasser wäre genötigt gewesen, eine genaue Charakteristik der Hauptwerke zu geben. Denn, wenn der Verfasser beispielsweise sagt: „Wie Maimvnides im Mischnahcommentare die Religions lehren formulierte und die Ethik zusainmenfaßte, so stellte er in der Mischue Thora die Religions gesetzt dar", so ist dies für den Schüler ganz unklar und unverständlich; und auch der Lehrer kann diese Desinition oder Inhaltsangabe nicht richtig heißen. Daß wir nicht zu jenen Recenseuten gehören, die nur ei» ' Buch durchstiegen, nm es entweder in den Himmel zu heben oder in den Staub zu zerren, hoffen wir auch durch diese Besprechung gezeigt zu haben. Gerne wollen wir noch hervorheben, daß dieses Bnch trotz der erwähnten Mängel als Lehrbuch wärmstens empfohlen werden kann; möge der Verfasser uns bald mit seinem in Aussicht gestellten „Lehrbuch der israelitischen Religion" soivie der „Sammlung von Agadas aus Talmud und Midrasch" erfreuen. Auch der angekündigten billigen Volksausgabe der „Geschichte der jüdischen Litteratur" von Gustav Karpeles sehen wir mit Vergnügen entgegen. Brüx im Oktober 1899. Dr. A. Bi ach. Inhalt: Zu Heinrich Heines hundertjührigem Geburtstag. — Moses. Eine Schrift von Henry George. — Rede an der Bahre der Frau Charlotte Embden-Heine, gehalten von Prediger Dr. Leiindörfer. — Worte der Trauer, gesprochen an der Bahre des sel. Herrn Prof. Dr Robert Steinhard von Dr. Adolf Brüll. — Monatsschau. — Theater, Musik und bildende Kunst. — Referate und Mitteilungen. Verantwortlicher. Redakteur und Herausgeber Dr. Adolf Brüll; in Kommission für den Buchhandel bei Franz Benjamin Ausfarth; Druck und Inserat-Annahme: H. L. Brönner's Druckerei (F. W. Breidenstein), sämtlich in Frankfurt am Main.