Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 19 (1899)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1899)
- Date
- 1899-11-01
- Page
- Seite 262 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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262 von Jakob, der Isaak täuscht, näher gelegen hätte. Kurz dieser unkindliche junge Herr, der sich so schwächlich , den schönen Augen eines Dienstmädchens ergiebt, ist einem Helden so unähnlich wie möglich. Der Gipfel der Absurdität ist erreicht, als Raphael auf den Stufen der Synagoge seine Liebe dem höchsten Bieter anbietet, und Rosa selbstverständlich hervorstürzt und ihm ihre Seele für seine Seele, ihr Herz für sein Herz darbringt. Die erschreckte Volksmenge schreit auf, daß dies eine „Schickse" oder etwas ähnliches sei, und darauf teilt Raphael dem Ghetto mit, daß Rosa sein Weib ist. — Das sollte jedenfalls sehr pathetisch klingen, es wirkte aber lächerlich. — Im letzten Akt sehen wir Rosa immer noch in Sachel's Hause ängstlich Raphael's Rückkehr von irgend einem musikalischen Ausflug erwarte», von dem er als berühmter Mann heimzukehren gehofft hat. Warum der grausame alte Mann, der Rosa so grimmig haßt, weil sie ihm des Sohnes Liebe geraubt, sie nach dem Bekanntwerden der Wahrheit nicht aus dem Hause gewiesen hat, wird nicht erklärt. Aber obgleich Raphael verheiratet, ist, haben Sachel und Aaron den Plan seiner Vermählung mit Rebekka nicht aufgegeben. Vielleicht gab es im Jahre 1817 in Amsterdam noch kein Gesetz gegen Bigamie. Jedenfalls versuchen sie, durch Unterschlagung von Briefen Rosa zu überzeugen daß ihr Gatte sie verlassen hat, und als nichts ihr Vertrauen erschüttert, küßt Sachel die Mesusah und schwört „beim Gesetze Moses", daß sein Sohn tot ist. Rosa stürzt sich voller Verzweiflung in den Kanal, und als ihr Leichnam heraus' gefischt wird, kehrt Raphael heim, um seinen musikalischen Triumph zu verkünden. Er erfährt den Verrat, der ihn seines Weibes beraubt hat, und bei Raphael's Ausruf: „Ich bin ein Jude, und bin allein," fällt der Vorhang über der traurigen Posse. Dem Dichter fehlt jede Kenntnis des jüdischen Lebens und er hat ein Stück geschrieben, das anstatt jüdisch, antijüdisch ist und der Wahrheit entbehrt. — Der berühmte, in Kom wohnende, amerikanische Bildhauer Moses Ezechiel hat eine Marmorbüste Dr. Isaak M. Wieses in Cincinati, die mehrere Freunde des greisen Rabbiners, zu dessen 80. Geburtstage stifteten, vollendet. Das Kunstwerk soll in außerordentlicher Weise gelungen sein. Meferate und Mitteilungen. „Geschichte der deutschen Inden". Von Dr. Adolph Kohut. Illustriert von Th. Kutschmanu. Berlin, Deutscher Verlag (Ges. m. b. H.). Volllieferung 3 und 4. Preis ü 2 Mk. Das geschichtlich und kulturhistorisch hochinteressante und hochbedeutsame illustrierte Prachtwerk enthält in seinen Lieferungen 3 und 4 eine Fülle neuen und bedeutsamen Materials über die Geschichte der deutschen Juden im Mittelalter. Ungemein spannend, ja aufregend sind die infolge der Pestjahre von 1419 -1451 entstandenen zahlreichen Brunnenvergiftungsprozesse in Deutschland, Böhmen und Polen. Hier wurden z. Bzum ersten Male die Briefe der Stadt-