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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1899-10-01 · Heft 10 (1.10.1899) · p. Seite 237

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
19 (1899)
Issue
Heft 10 (1.10.1899)
Date
1899-10-01
Page
Seite 237 (sequence 21)
Language
German
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Jahres durch die „Deutsche Volksbühne" in Berlin zur Aufführung und bildete mit Henrik Ibsens „Fest auf Solhaug" die Eröffnungsvorstellung der genannten Bühne. Das einaktige überaus wirkungsvolle Drama des talentvollen, allzufrüh verstorbenen Dichters des „Struensee" ist vor langen Jahren in Berlin nur vorübergehend aufgeführt worden. Auf die Stilgerechtigkeit der indischen Kostüme, sowie auch die dekorative Ausstattung wurde besondere Sorgfalt verwendet. — Im großen Saale des Dew-Uorker „Hebrew-Jnstitute" fand kürzlich ein höchst interessantes Concert statt. Der New Iorker Musikprofessor Phonaroff war der Veranstalter, und sämtliche Mitwirkende waren Judenkinder von der East-Side im Alter von 8—12 Jahren, welche durch ihr brillantes Violin-, Clavier- und Flötenspiel ungeheuere- Aufsehen erregten. Professor Phonaroff erklärte einem Interviewer bei dieser Gelegenheit, er hätte im Verlaufe von einem Jahre im New-Iorker Judenviertel mehr als ein halbes Hundert eminent musikalisch veranlagter Kinder — darunter viele unter 10 Jahren — gefunden, die ihn durch ihr herrliches Spiel verschiedener Instrumente geradezu verblüfften und denen allen er eine große Zukunft prognosticiert. — Die Exposition des Bildhauers Dr. Alfred Massig füllt in Paris einen Saal der „Gallerie des Champs Elysees" und umfaßt siebzehn Nummern. Es befinden sich darunter sowohl Entwürfe größerer Statuten, als auch Statuetten, Reliefs und Büsten. Unter den ersteren sind besonders „Der wandernde Jude", „König Salomon" und „Juda Makkabi" von hohkm Interesse. Namentlich fesselt uns Nossig durch die eigenartige Auffassung seiner Gestalten. „Nossig ist als Plastiker vor allem bestrebt neue Ausdrucksformen zu finden und den Rassencharakter zu betonen; er schafft neue Typen, wie dies Balzac vom Bildhauer forderte." Über den wandernden Juden äußert sich Felix Vogt: „Nossig hat einen Ewigen Juden mit einer faltigen Denkerstirn und mit dem Mosesbart des Michel Angelo geschaffen, der nicht als wanderndes Symbol des schlechten Gewissens, sondern als würdiger Vertreter des alten Bundes, dessen Schriftrolle er im Arme hält, aufgefaßt ist." Unter de» kleineren Standbildern der Ausstellung fällt vornehmlich der Charakterkopf Max Nordaus ins Auge. Es dürfte vielleicht interessieren, daß Alfred Nossig sich auch als Dichter einen geschätzten Namen erworben hat. Unter anderem schrieb er das Drama „Göttliche Liebe", das im Herbste in Wien zur Aufführung gelangt. — In Kerlin starb der bekannte Musikpädagoge, Herr Professor Emil Kreslaur am 26. Juli. Der aus gediegenen musikwissenschaftlichen Essays bekannt gewordene Gelehrte war im Jahre 1836 geboren und zuerst als jüdischer Religionslehrer und Prediger thätig. Aber seine Befähigung und seine Liebe zur Musik führten ihn Anfangs der sechziger Jahre nach Berlin, wo er sich schnell als Lehrer der Musiktheorie und Praxis einen anerkannten Namen machte. Mit unermüdlichem Eifer übte er seine Begabung nach den verschiedensten Richtungen aus. Chordirektor an der Berliner Reformsynagoge, war er zugleich als Musikreferent und als Leiter des von ihm begründeten „Vereins der Musiklehrer und

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