Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 19 (1899)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1899)
- Date
- 1899-10-01
- Page
- Seite 228 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Da quoll die Morgenröthe Durch's Fenster voll und warm, Und jubelnd rief es; Goethe Und Börne Arm in Arm!! Vom Nahen und vom Weiten Erbrauste durch das Haus Der Zuruf aller Seiten Und donnernder Applaus. Als ich davon erwachte, Des Wirklichen bewußt, Umstrahlte mich der achte und zwanzigste August. Der großen Doppelsendung, Die so verschieden war, Versöhnung und Vollendung, Im Traume sah ich klar! WonaLsschau. Für die Geschichte jüdischer Gemeinden und Familien hat man neuerdings auch die Wimpel verwertet, die in den Synagogen aufbewahrt werden. Es sind dies die langen Leinenstreifen, die aus den bei der Aufnahme in den Abrahamsbnnd benutzten Tüchern hergestellt sind und auf welche der hebr. Name und Geburtstag des betreffenden Knaben gestickt oder gemalt wurde, um dann als Binde der Thorarolle Verwendung zu finden. In früheren Jahrhunderten, als noch keine Standesämter existirten, dienten diese Wimpel häufig als Geburtsurkunden. Daß diese lleberreste aus früherer Zeit auch für die Gegenwart noch Wert haben, ersieht man aus Folgendem: Das Vorstandsmitglied, Herr Julius Goldschmidt in Worms entdeckte auf dem Speicher der Gemeindestube eine große Menge alter Wimpel, welche aufgerollt und ineinander verschlungen, einen nahezu unlösbaren Knäul bildeten. Mit vieler Mühe gelang es schließlich, diesen zu entwirren und ein wiederholtes Seifenbad hatte hierauf den besten Erfolg. Wie neu gingen die Wimpel aus demselben hervor. Jetzt erst konnte man die schöne Leinwand erkennen, welche uns verrät, daß die Frauen in alter Zeit gar fein zu spinnen verstanden. Besonders interessant ist die Thatsache, daß die Stickarbeiten an den Wimpeln aus dem 17. Jahrhundert schöner ausgeführt sind, als diejenigen aus späterer Zeit, und uns durch gelungene Zeichnung überraschen, während die letzteren schon einen mehr schablonenhaften Charakter haben. Auch nach einer anderen Richtung haben diese Wimpel einen historischen Werth. Wie allgemein üblich wurden dieselben stets in einem zur Synagoge gehörigen Raume aufbewahrt, sie haben darin den großen Stadtbrand 1689 unversehrt überstanden und liefern hierdurch auch einen Beweis dafür, daß die Synagoge in dieser für die Stadt so unheilvollen Zeit (Zerstörung der Stadt Worms durch die Franzosen) wenig Schaden gelitten hat. Herr Goldschmidt hat nun sämmtliche Wimpel mit Namen und Jahreszahl versehen und in eigens hierfür angefertigten Kartons untergebracht. Die älteste Wimpel rührt aus dem Jahre 1570, die