Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 19 (1899)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1899)
- Date
- 1899-08-01
- Page
- Seite 192 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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— 192 — Briefe. Aus dem 11. Jahrhundert stammt ein sogenannter „Shetar Chalitza," das heißt ein gesetzlich ausgefertigtes Aetenstück, worin ein Mann sich weigert, die kinderlose Witwe seines Bruders nach Vorschrift der levitischen Gesetze zu heiraten. Zahlreich sind die Briefe, die in arabischer Sprache, aber in hebräischen Schriftzeichen über verschiedene Gegenstände geschrieben sind. Biele davon behandeln Streitpunkte aus dem rabbinischen Gesetze. Bemerkenswert darunter sind zwei eigenhändig geschriebene Entscheide des Moses Maimonides, der 1204 starb. Bruchstücke alter Abschriften des Talmuds und ähnlicher Werke machen die neuerworbene Sammlung besonders wertvoll für Forscher aus dem Gebiete der mittelalterlichen hebräischen Litteratur. — Es liegt uns vor, schreibt die „Debora", ein vierhundert Oetavseiten starkes englisches Buch über die Geschichte der „jüdischen" Litteratur im neunzehnten Jahrhundert, von Leo Wiener, dem Lehrer der slavischen Litteratur an der Harvard Universität. Das Buch ist schön ausgestattet und recht gut geschrieben. Es ist eine populäre Darstellung einer sonst unbekannten Episode aus der Bolkslitteratur, worauf Winter und Wünsche schon aufmerksam gemacht haben. Haben die Dichtungen, die uns hier vorgeführt werden, auch sprachlich für die Cultur keinen Wert, so haben sie doch als Dichtungen einen hohen Wert. Die Muse, das Genie stammelt in volkstümlichen Worten gar pathetisch die Leiden und kargen Freuden eines gebeugten und trauernden Volksstammes zu rührend, als daß man die ätzende Lange der Kritik darüber ausgicßen könnte. Poesien sind es eben nicht; es sind volkstümliche Elegien in einem einsamen Winkel der Weltlitteratur, in einem im Aussterben begriffenen Dialect. — Bei §. Ealvary & Eo. in Kerlin sind erschienen: Sabbathpredigten von M. Joel aus dem Nachlasse herausgegeben von Dr. Eckstein und Dr. Ziemlich. Es erscheint ganz überflüssig, sich über den Wert dieser Reden zu äußern, da die sämmtlichen Leistungen Joel's so hervorragende sind, daß sie allgemein als mustergiltig anerkannt werden. Wir können den Herausgebern nur danken, daß sie uns Joel's reiche Geistesschätze zugänglich machen, zumal dessen Reden im Lesen an tiefer Einwirkung auf uns eher gewinnen als verlieren, was selbst schon ein Zeugnis ihrer Gediegenheit ist. Die Joel'schen Predigten werden darum nicht nur von Fachmännern sondern auch von Laien gerne gelesen werden, die daraus eine classische Auffassung des Judentums und seines Lehrinhaltes sich zu eigen machen können. Inhalt: Emil Lehmann. (Schluß.) — Znr Geschichte der Juden in Vorarlberg. — Gedenkrede auf Baronin Hirsch s. A. — Monatsschau. — Theater, Musik und bildende Kunst. — Referate und Mitteilungen. Verantwortlicher Redakteur und Herausgeber Dr. Adolf Brüll; in Kommission für den Buchhandel bei Franz Benjamin Aussarth; Druck und Inserat-Annahme: H. L. Brönner's Druckerei (F. W. Breidenstein), säintlich in Frankfurt am Main.