Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 19 (1899)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1899)
- Date
- 1899-08-01
- Page
- Seite 189 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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— 189 — vollen Orchester, besonders den Streichern. Salomon entwickelt in einigen Takten seine Empfindungen, worauf der gemischte Chor einfällt, zu einem Sopransolo leitend, in welchem der Zauber des Frühlings besungen wird. Der Tenor kommt dann aufs neue zum Wort und wieder leitet ein Zwischenspiel der Streicher gedämpft zu einem zarten Sopranrecitativ, worauf der Chor mit dem ganzen Orchester einsetzt. Ein Flötensolo mit Pizzicato aller Saiteninstrumente sucht den Worten des Textes gerecht zu werden. Tenorsolo und gewaltiger Chor zum Preise Salomon's schließen unter Zuziehung des Orchesters in allen seinen farbigen Mitteln den ersten Teil ab. Der zweite Teil hebt mit einem Intermezzo an, das den Spruch versinnlicht: „Deine Lenden stehen gleich an einander, wie zwei Spangen, die des Meisters Hand gemacht hat." Dieses Filigranstück wird durch Flöten- und Harfenspiel zu lebhaftem Klangreiz entwickelt. Es folgt ein großer Schlußchor, der lange wogend, sich nach mächtigem Einsetzen der Bläser beruhigt und in ein weiches Pianissimo austönt. Das Ganze schließt mit einem Duett der Liebenden und denselben Accorden, die zum Anfang des Oratoriums ertönten. In diesem Tonwerke decken die musikalischen Ausdrucksweisen den Inhalt der Worte fast vollständig, ohne dabei in kindische Detailmalerei zu verfallen. Die Melodie entwickelt sich zwanglos aus sich selbst, so daß sie nicht deklamatorisch wirkt und die Chöre heben nur an, wenn Unpersönliches vorkommt. Kurz, Wolf-Ferrari erinnert zuweilen an alte Meister der Kirchenmusik, ohne sich in ihre Hörigkeit zu begeben oder den modernen Künstler vermissen zu lassen. Er verbindet, seiner Abstammung nach, südländisches Feuer mit der den nordischen Völkern eigenen kühlen Überlegung, die auch im Affektsturin Maß zu halten gebietet. Noch mag erwähnt werden, daß die Sulamith von Frau Wolf-Kilian, der Gattin des Komponisten, mit Gefühl und Verständnis gesungen wurde; den Salomon sang nicht minder gut Vaccari, der von italienischen Aufführungen Wagner'scher Opern bekannte Tenor — Frl. Alice Schloß, Schwester der Münchener Sängerin Frl. Charlotte Schloß, hat am Münchener Schauspielhaus als Kitty in „Sodoms Ende" debütirt. — Herr Dr. med. Theodor S. Flatau ist als Lehrer der Stimmphysiologie und der Gesangshygiene an die königliche akademische Hochschule für Musik berufen worden. — Anläßlich eines Gastspiels, welches Eduard Ujhast, das hervorragende Mitglied des Nationaltheaters in Budapest, vor Kurzem in Szegedin absolvirte, erzählen die dortigen Blätter eine recht heitere Episode. Zu den interessanten Leistungen Ujhazis zählt bekanntlich auch der Rabbiner in Desidor Szomoris Einakter „Pentek este“ (Freitag Abends). Der große Mime verwendete auf diese Rolle» um sie realistisch oder vielmehr rituell getreu und stilgemäß darzustelleu, ernstes Studium. Bor allein suchte er den Rabbiner Herr Dr. Samuel Kohn auf und bat diesen ihn bezüglich jener Ceremonie zu instruiren, die laut den Normen der jüdischen Religion am Freitag Abend zu verrichten sei. Nachdem er die gewünschten Aufklärungen erhalten, setzte er seine Forschungen fort und schaute sich nach einem Modell um, dem die Hauptgestalt des