Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 19 (1899)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1899)
- Date
- 1899-07-01
- Page
- Seite 168 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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168 Reichsprozeßordnung bewerkstelligt wurde, dankte man dies wohl vorzüglich den an die sächsische Ständeversammlung gerichteten Petitionen, in welchen Emil Lehmann, die von Dr. Zacharias Frankel durch die Schrift „Die Eidesleistung der Juden" begonnene Agitation eindringlich fortsetzend, erfolgreich gegen den „konfessionellen Eid" wirkte. Wie hoch die Männer von so anerkannter Strenggläubigkeit wie Dr. Beer, Dr. Frankel und Dr. Landau die Geistes- und Herzenseigenschaften des nach und nach zu ihrem bedeutendsten Mitarbeiter herangereiften ehemaligen Schülers schätzten, wie verehrungs- und liebevoll dieser philosophisch veranlagte Jünger wiederum an ihnen hing, dafür zeugte die für Fernerstehende befremdliche Thatsache, daß selbst seine Neuerungsbestrebungen diese innigen Beziehungen nicht dauernd zu stören vermochten. Wer aber Lehmann persönlich kannte, der wußte auch, daß er mit dem starken Geiste des Philosophen ein reiches religiöses Empstnden verband, daß sein Drang nach Reformen doch in der Gemeindeverwaltung nie die Schranken durchbrach, welche ihm die Verehrung für seine Vorfahren, für seine großen Lehrer und Freunde Frankel und Landau und für die Eintracht der Dresdner Religionsgemeinde setzte. Immer zeigte es sich, wie warm sein Herz für das Judentum schlug, für das er nach innen wie nach außen zu wirken rastlos bestrebt war. Seine Thätigkeit beschränkte sich aber keineswegs darauf; weit über den Kreis seiner Glaubensgenossen hinaus erwies sich dieselbe als eine im besten Sinne gemeinnützige. Was er im „Gemeinnützigen Verein", im „Verein für Volkswohl" geleistet, wie eifrig er für die „Ferienkolonien" gewirkt, wie unermüdlich er lange Jahre hindurch die humanen Bestrebungen der Freimaurerlogen förderte, wurde nicht nur in den angesehensten Kreisen Dresdens dankbar anerkannt; es erwarb ihm weit über seine Vaterstadt hinaus Vertrauen und Verehrung. Seit dem Jahre 1863 praktizirte er in seiner Vaterstadt Dresden als Rechtsanwalt und später auch als königlicher Notar in erfolgreicher Weise. Wie er in jahrzehntelanger Vorsteherwirksamkeit der jüdischen Gemeinde in uneigennützigster Weise als Jurist Bedeutendes leistete, so erwies er sich auch jederzeit seinen zahlreichen christlichen Clienten gegenüber als ein aller Gewinnsucht abholder strengrechtlicher tüchtiger Berater. (Schluß nächste Nummer.) Inhalt: Prof. Theobald Ziegler über den Antisemitismus. — Die Taufe. — Der Gnosticismus in vorchristlicher Zeit. (Schluß.) — Goethe und die Juden. — Ein evangelischer Prediger vor fünfzig Jahren gegen den Judenhaß. — Der Jude als Patriot. — Aus der modernen Jargon-Litteratur. lEva von M. Wirth.) — Emil Lehmann. Verantwortlicher Redakteur und Herausgeber Dr. Adolf Brüll; in Kommission für den Buchhandel bei Franz Benjamin Ausfarth; Druck und Inserat-Annahme: H. L. Brönner's Druckerei (F. W. Breidenstein), sämtlich in Frankfurt am Main.